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Im Fokus – Zur Vernissage des Fotographie- und Medienkunst-Projekts am Salvatorkolleg

Ein ungewöhnlicher Anblick zeigte sich auf dem Pausenhof des Gymnasiums Salvatorkolleg am vergangenen Mittwochabend: In den Sträuchern und Büschen hingen große quadratische Stücke aus Leinwand, aus denen mittig ein Kreis ausgeschnitten gewesen ist. Sie bildeten gewissermaßen das Entree zur Ausstellung in der Schule, die am 3. Juli mit einer festlichen Vernissage eröffnet wurde. Unter dem Titel „Im Fokus“ stellen die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a und 9b ihre Werke aus.

Es handelt sich dabei um großformatige Fotographien, die auf Leinwand gedruckt und an Drahtseilen quer durch das Schulfoyer gehängt wurden. Diese Fotos halten das Ergebnis eines Projekts fest, das im Unterricht bei Kunsterzieherin Ute Schraag erarbeitet wurde. Die Schülerinnen und Schüler sind mit den bereits oben erwähnten viereckigen Leinwandstücken mit dem runden Loch durch das Wurzacher Ried gegangen und haben einen Quadratmeter der Naturlandschaft buchstäblich „in den Fokus genommen“. Dabei konnten schließlich Sitzbänke, Teile von Bäumen, kleine sprießende Pflanzen oder einfach der unvermeidliche Müll das Motiv des Fotos bilden.

Die Verschiedenheit der Motive hängt mit den unterschiedlichen Einflüssen zusammen, aus denen sich schließlich das Kunstprojekt herausgebildet hat. Dies wurde am Abend der Vernissage deutlich. Nach dem musikalischen Auftakt des Klang- und Performancekünstlers Viz Michael Kremietz und der Begrüßung durch Schulleiter P. Friedrich Emde erläuterte der Kulturamtsleiter des Landkreises Ravensburg, Dr. Maximilian Eiden, das Zustandekommen und die künstlerische Ausrichtung des Fotoprojektes. Drei wesentliche Faktoren standen dabei im Mittelpunkt. Zum einen der kunsttheoretische und philosophische Gedanke der Mimesis: Kunst soll eben, gemäß Aristoteles, nicht bloßes „Nachmachen“ oder „Kopieren“ der Natur sein, sondern aktives „Sich-Anverwandeln“. Die Schülerinnen und Schüler nehmen durch ihr künstlerisches Arbeiten im Ried also mehr mit als nur ein paar Fotodateien.

Zum Zweiten steht das Werk des Bad Wurzacher Künstlers Sepp Mahler (1901-1975) im Hintergrund, dessen Bedeutung gerade in seiner Heimat kaum gewürdigt, ja noch nicht einmal begriffen wird. Die erste Begegnung mit dem Thema „Kunst und Schöpfung“ machten die beteiligten Schulklassen im Rahmen eines Besuches der gleichnamigen Ausstellung im Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus. Von daher war es auch naheliegend, dass die Leiterin des Projekts, Kunstlehrerin Ute Schraag in ihrer Rede vor allem Adelgund Mahler, der Tochter des Künstlers, dankte und ihr drei Sonnenblumen überreichte.

Zum Dritten schließlich ist es das Wurzacher Ried selbst als einzigartiger und schützenswerter Naturraum, das zu den entstandenen Werken inspirierte. Bei einem Besuch des Naturschutzzentrums lernten die Schülerinnen und Schüler viel über die Bedeutung des Rieds als klimarelevantes Ökosystem und Refugium seltener Arten. Der Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried, Horst Weisser, hob in seiner Rede zur Vernissage die gewohntermaßen gute Zusammenarbeit zwischen Gymnasium Naturschutzzentrum hervor. Zudem betonte er den Kontext zwischen Biologie und Kunst, wenn es darum geht, die Natur „in den Fokus“ zu nehmen.

Das Ergebnis, das aus all diesen Anregungen und einer Menge Kreativität von Schülerseite entstanden ist, kann sich sehen lassen. Die hier (unten) gezeigten Bilder können davon freilich nur einen schwachen Eindruck übermitteln.

Abschließend sei noch einmal allen gedankt, die zum Gelingen der Vernissage beigetragen haben, vor allem dem Klangküstler Viz Michael Kremietz für seine beeindruckende Musikperformance.


Markus Benzinger

>>> zum Artikel in der SZ (6. Juli 2019)

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