Grundlagen

Aufgabentypen im Abitur

In der schriftlichen Abiturprüfung im Fach Deutsch stehen 5 Aufgabentypen zur Auswahl. Es gilt, eine der Aufgaben auszuwählen und zu bearbeiten. Die Bearbeitungszeit beträgt 330 Minuten.

Für die Aufgabentypen I, II und IV stellen die Pflichtlektüren bzw. Schwerpunktthemen die Grundlage dar.

Aufgabentyp I

Interpretationsaufsatz mit übergreifender Teilaufgabe zu einer Pflichtlektüre (Werk im Kontext)

Die Prüfungsaufgabe basiert auf einem Textauszug aus einer der angegebenen Pflichtlektüren. Die Gesamtaufgabe besteht aus drei Teilaufgaben bzw. Arbeitsanweisungen. Es gilt aber eine zusammenhängende und in sich geschlossene Arbeit zu schreiben.

Die erste Teilaufgabe hat einführende Funktion. Der Textauszug soll an die vorangegangene Roman- oder Dramenhandlung angebunden werden. Das heißt, die Handlung ist so weit zu skizzieren, wie dies zum Verständnis des Textauszuges erforderlich ist. Die Darstellung der Handlung soll knapp sein, sich auf die wesentlichen inhaltlichen Aspekte und auf die Textstelle hin zentriert sein. Nicht gefragt ist eine ausführliche Inhaltsangabe.

Es ist auch möglich, dass nach einer funktionalen Bestimmung eines Textauszuges gefragt wird.

Die zweite Teilaufgabe bildet einen Schwerpunkt des Interpretationsaufsatzes. Der Textauszug muss gründlich und sorgfältig in inhaltlicher und formaler Hinsicht analysiert werden. Dabei ist wichtig, dass man Formelemente (z.B. sprachlich-stilistische Mittel) nicht nur benennt, sondern auch in ihrer Funktion für den textinhalt aufzeigt. Das Ziel ist eine Darstellung der Wechselbeziehung von Form und Inhalt.

Die dritte Teilaufgabe, die einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit bilden soll, fordert einen Vergleich. Unter einem bestimmten Aspekt soll die Pflichtlektüre, aus der der Textauszug stammt, mit einer der beiden anderen Pflichtlektüren verglichen werden. Es wird hier keine Textarbeit verlangt, aber der Argumentationsgang soll durch Textbezüge und Textverweise abgesichert werden.

Aufgabentyp II

Gestaltende Interpretation

Der Prüfungsaufgabe liegt ein Textauszug aus einer der Pflichtlektüren zugrunde. Die Aufgabenstellung besteht aus zwei Arbeitsanweisungen.

Die erste Arbeitsanweisung hat hinführende Funktion. Sie dient der Vergewisserung der textlichen Grundlage, auf der die gestaltende Interpretation basiert. In der Regel geht es darum, das literarische Werk unter einem bestimmten Aspekt zu betrachten.

Die zweite Arbeitsanweisung leitet zur gestaltenden Interpretation an. Auf diesem Teil muss der Schwerpunkt der Arbeit liegen. Ausgehend von einer inhaltlichen Leerstelle wird meist mit dem Vorspann "Gehen Sie von folgender Annahme aus" auf die Aufgabenformulierung hingeführt. Sie legt auch die Gestaltungsform fest (in der Regel Brief, Tagebuch, innerer Monolog, Dialog).

Aufgabentyp III

Literarische Erörterung

Der literarischen Erörterung liegt meist ein Zitat als Aufhänger zugrunde. Schwerpunkt der Aufgabe ist der Erörterungsauftrag. Er zielt ab auf eine Auseinandersetzung mit literarischen und poetologischen Problemstellungen und Wertungen. Grundlage hierfür sind die Pflichtlektüren. Weitere Leseerfahrungen sind hilfreich, manchmal werden sie erwartet. Eine ergänzende Arbeitsanweisung, die die Erläuterung des Zitates verlangt, besitzt einleitende Funktion.

 Aufgabentyp IV

Interpretationsaufsatz zu einem Gedicht oder Gedichtvergleich

Grundlagen dieses Aufgabentyps sind entweder ein einzelnes Gedicht oder zwei Gedichte, die es zu vergleichen gilt. Der Vergleich ist komplexer. Er erfordert nicht nur die Erschließung des jeweiligen Gedichtes, sondern auch die Erarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gegenüberstellung.

Aufgabentyp V

Analyse und Erörterung nicht fiktionaler Texte (auch mit gestalterischer Teilaufgabe) - Schwerpunkt: Analyse oder Schwerpunkt: Erörterung

Schwerpunktthemen

Die vier Schwerpunktthemen ("Sternchenthemen") für das Abitur im Fach Deutsch sind:

  • Friedrich Schiller, Die Räuber
  • Heinrich v. Kleist, Michael Kohlhaas
  • Franz Kafka, Der Prozeß
  • Liebeslyrik

Operatoren

Um eine gestellte Aufgabe korrekt zu lösen, gilt es, die Arbeitsanweisungen ("Operatoren") genau zu lesen und zu verstehen.

Operatoren lassen sich verschiedenen Anforderungsbereichen zuordnen und geben einen Hinweis auf den Grad der Komplexität, Reflektierheit und Ausführlichkeit, in dem eine Aufgabenlösung erwartet wird.