„Braucht man heutzutage eine Bibliothek ?“

Das fragte im Herbst 1997 mancher, als wir damit begannen, ein Klassenzimmer im Erdgeschoss des Schulgebäudes zu einer Schülerbibliothek umzufunktionieren.
Ja, gerade heute ist sie wichtiger denn je !
In so gut wie allen Bildungsstudien wird von erheblichen Defiziten bei der Lesekompetenz vieler Jugendlicher berichtet. Desweiteren kann man beobachten, dass viele nicht dazu in der Lage sind, sich in einem Inhaltsverzeichnis oder im Sach- und Personenregister zurecht zu finden. Dieser Mangel an Kulturtechnik ist nicht nur auf das Medium Buch beschränkt, denn es ist kaum anzunehmen, dass die selben Schüler in der Lage sind, in einem angemessenen Zeitraum die für eine Arbeit relevanten Informationen im riesigen Angebot des Internets zu finden. Das Internet bietet nicht nur eine Fülle wertvoller Informationen, sondern verleitet leider auch dazu, fertige Referate herunterzuladen und unbearbeitet und leider oft auch unverstanden zu präsentieren. So wird dann all zu oft Materialbeschaffung mit Lernen und Informationsbesitz mit Wissen verwechselt.
Leseförderung und die Entwicklung der Fähigkeiten, sich eigenständig Zugang
zu Informationen zu verschaffen, sind zentrale Aufgaben der Schule. Gut ausgestattete Schulbibliotheken sind für die Bewältigung dieser Aufträge die optimale Lösung.
Bibliotheken und Schulbibliotheken entwickeln sich im „Informationszeitalter“ zunehmend auch zu Multimedia- und Online-Informationszentren. Neben den Printmedien halten die „neuen Medien“ Einzug, die es Schülern ermöglichen, neue Wege der Informationsgewinnung selbständig zu beschreiten, gewonnene Erfahrungen kritisch auszuwerten und so zu einer bewussten Mediennutzung fähig zu werden.
Die Einführung von neuen Medien in der Schulbibliothek darf nicht etwa als Anzeichen dafür verstanden werden, dass sie die Bücher ablösen sollen. Das können sie gar nicht: Die Medien, ob Printmedien – ob neue Medien, konkurrieren nicht miteinander, sondern sie ergänzen sich.
Die Schulbibliothek ist der Ort, wo Lese- und Medienerziehung in unmittelbarer Anschauung und Übung erfolgen kann. Sie ist der Ort, wo der bewusste Umgang mit Hilfsmitteln der Informations- und Mediengesellschaft gelernt und praktiziert werden kann.

Das Medium Buch ist wichtiger denn je. Es gibt uns die Möglichkeit, eine Welt der eigenen Phantasie und Träume zu erleben.
Anders als Fernsehen oder Computer ersetzt es keine Phantasien. Es gibt den Lesern Spielräume für eigene Gedanken. Es ist Anreiz, ein Leitfaden für Reisen in andere Welten, andere Zeiten und andere Realitäten.