Raus aus der Wohlfühlecke – Auf nach Saalfeld

Ich absolvierte mein zweiwöchiges Praktikum in der Kindertagesstätte Schlüsselblume in Saalfeld. Dies ist eine Einrichtung in Thüringen, welche die Montessori Pädagogik ausführt. Hierbei ist das Kinderhaus ein Ort zum freien, individuellen und sozialen Lernen.

Das besondere an der Auswahl meines Praktikum Platzes war, dass es sich nicht um eine Einrichtung aus der Region handelte, sondern 500 km von zu Hause entfernt war. Dies bedeutet, dass ich während den zwei Wochen Praktikum nicht zu Hause wohnte, sondern mein gewohntes Umfeld verlassen habe. Ich habe mich dazu entschieden, weil ich meinen Erfahrungshorizont erweitern wollte und etwas ganz neues entdecken wollte, was in dieser Art in unsere Region nicht zu finden ist. Ebenfalls wollte ich in jungen Jahren schon lernen, wie es ist von zu Hause weg zu sein und einen ganz neuen Alltag zu erleben. Eben das gemütlich und gewohnte Umfeld verlassen und einmal sowohl dort, als auch aus mir selbst heraus zu kommen. Ein weiterer entscheidender Punkt für meine Wahl war, das selbstständige Engagement, welches ich sowohl für meine Bewerbung mit inbegriffen das Vorstellungsgespräch, als auch für die zwei Wochen neu entdecken konnte.

Während meines zweiwöchigen Praktikums wurde ich in der Einrichtung sowohl von den Erziehern, als auch von den Kindern super aufgenommen und akzeptiert. Ich begleitete Kinder zwischen dem 1. und dem 6. Lebensjahr. Meine Hauptgruppe waren Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Jeden Morgen wurde zwischen 8 und 9 Uhr mit den Kindern zusammen gefrühstückt. Danach bestand meine Hauptaufgabe darin jeden Morgen den Kindern bei ihren verschiedenen Aufgaben am Vormittag zu helfen, wie z.B. Buchstaben schreiben oder den Webrahmen fortsetzen. Im Anschluss an den darauf folgenden Morgenkreis gingen die Kinder nach draußen. Dies bedeutete den Kindern beim Anziehen von Matschhose, Jacke, Schaal, Mütze und Schuhe zu helfen. Während die Kinder draußen gespielt haben, habe ich geholfen das Mittagessen für die Kinder vorzubereiten. Nach dem Mittagessen war ich für die 3 jährigen zuständig, welche sich zum Schlafen fertig machen mussten. Nachdem alle Kinder umgezogen waren, habe ich ihnen noch eine Geschichte vorgelesen. Während der Mittagszeit habe ich mich mit den Vorschulkindern beschäftigt und das Vesper vorbereitet, dies bedeutet meist Brote zu schmieren. Dies war nur das „kleine“ Programme des Vormittags, der Nachmittag war dann immer ganz „besonders“ entspannend, man war ja dann schon routiniert (Vesper, Anziehen …).

Während meines Aufenthaltes in der Einrichtung durfte ich sehr viele besondere Ereignisse miterleben. An meinem ersten Tag in der Kita war ein Elternteil zu Besuch in der Einrichtung und kochte am Vormittag mit den Kindern das Mittagessen. Dieses Ritual findet nur einmal im Monat statt. Normalerweise wird das Essen geliefert. An meinem zweiten Tag hat die gesamte Gruppe den Geburtstag eines Kindes gefeiert. Am Donnerstag der ersten Woche kam eine Zahnarzthelferin in der Kita vorbei, welche den Kindern erklärte, was passiert, wenn man die Zähne nicht richtig und regelmäßig putzt. Ebenfalls erklärte sie den Kindern, wie wichtig ein regelmäßiger Besuch beim Zahnarzt sei. Im Anschluss erklärte sie den Kindern noch, wie man die Zähne richtig putzt. Sobald die Kinder ihre Zähne geputzt hatten, schaute sich die Zahnarzthelferin die Zähne von jedem Kind genau an. Am Freitag der ersten Woche war Sporttag. An diesem Tag machten wir einen Spaziergang zu einem etwas entfernten Spielplatz. Dort konnten sich die Kinder dann austoben, bis der Rückspaziergang zur Kita wieder in Angriff genommen wurde.

Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag der zweiten Woche habe ich jeden Vormittag mit den Kindern Rasseln für die folgende Faschingswoche gebastelt. Eine Besonderheit der zweiten Woche war, dass zu Mittagszeit die Kinderbuchlektorin Frau Weiss im Kindergarten vorbeikam und den Kindern Vorschulkindern eine im Vorfeld von ihnen ausgesuchte Geschichte vorlas.

In den zwei Wochen Praktikum habe ich gelernt, wie aufregend der Alltag jeden Tag aufs Neue mit Kindern ist. Man erfährt so viel von den Kindern und wird von diesen sofort mit ins Geschehen mithineingenommen. Sehr bewundernswert fand ich, in was für einer kurzen Zeit die Kinder sich an eine neue Autoritätsperson gewöhnen und sich komplett auf eine fixieren. Während dieser zwei Wochen ist mir bewusst geworden, was für eine große und bedeutende Verantwortung die Erzieher für jedes Kind zu tragen haben. Sehr überrascht war ich drüber, wie weit die Kinder für ihr Alter schon waren. Bereits die 4 jährigen konnten schon schreiben und teilweise mit Rechentafeln sogar schon rechnen. Allem voran war ich sehr beeindruckt von der Montessori Pädagogik, welche das Zusammenspiel zwischen dem Freiraum zur selbständigen Entwicklung des Kindes und der Regeln super verknüpft.

Allgemein kann ich sagen, dass die zwei Wochen eine wunderschöne Zeit war, welche viel zu schnell zu Ende war. Die zwei Wochen haben mir sehr viel Spaß gemacht und viele neue Erfahrungen gebracht.

Alisa Sophia Schele