Nora Wohnhas ist erste Oberschwäbische Tarot-Meisterin

Bei den Ersten Oberschwäbischen Tarot-Meisterschaften, die am Samstag, den 19.12. im Salvatorkolleg Bad Wurzach ausgetragen wurden, konnte Nora Wohnhas (Kursstufe 2) die geballte Konkurrenz, bestehend aus immerhin weiteren 14 Spielerinnen und Spielern, hinter sich lassen. Der erste Preis bestand, ganz stilecht, aus einem Satz Tarotkarten (in Deutschland schwer zu bekommen) und einer Flasche Wein.


Aber was ist Tarot und warum werden in der Mensa des Salvatorkolleg Oberschwäbische Meisterschaften ausgetragen? Eins nach dem anderen: Das Kartenspiel Tarot ist eines der ältesten in Europa und lässt sich bis ins Italien und Frankreich des Spätmittelalters nachverfolgen. Schon recht früh wurden die kunstvoll gestalteten Trumpfkarten zu Wahrsagezwecken verwendet, weswegen in Deutschland mit dem Begriff „Tarot“ stets zuerst Esoterik in Verbindung gebracht wird. Hier soll es aber um das traditionelle Französische Wirthaus-Kartenspiel Tarot gehen, das in Bayern und Österreich leicht abgeändert als Tarock oder Königrufen bekannt ist, in Südbaden in der fast ausgestorbenen Variante Cego gespielt wird.


Nach Bad Wurzach kam das eher exotische Kartenspiel durch Timo Roujean (Kursstufe 2), der seit mehr als zwei Jahren konsequent und engagiert für die Verbreitung des Tarot an der Schule eintritt, und somit ein Kulturgut aus seiner Französischen Heimat verbreitet. Mehr als 40 Schülerinnen und Schüler, praktisch sämtlich aus der Kursstufe 2, können nun mehr oder minder gut das nicht ganz simple Tarot spielen. Und jedem, dem Skat zu wenig strategisch und Poker zu langweilig ist, dem Doppelkopf zu wenig Kartenmasse und Sonderregeln bietet, dem Schafkopf- und Binokel-Karten nicht opulent und prachtvoll genug sind und der von Jass noch nie etwas gehört hat, sei daher empfohlen, das anspruchsvolle Spiel mit den 78 großformatig länglichen Karten einmal auszuprobieren.


Die fünfzehn Schülerinnen und Schüler, die zur Ersten Oberschwäbischen Meisterschaft angetreten sind, beherrschen das Spiel, auch wenn Spielleiter Timo Roujean sich sicherheitshalber bemüßigt fühlte, die wichtigsten Regeln und Sonderkarten noch einmal per Aushang bekannt zu machen. Originell sind übrigens auch die Übersetzungen wichtiger Spielbegriffe aus dem Französischen direkt ins Schwäbische: Aus den wertvollsten Trümpfen, les bouts genannt, werden d’Bolla, die Jokerkarte, im Original als l’excuse bekannt, heißt nun d’Ausred.

Der Verlauf der Meisterschaft erwies sich dann als kurios und hoch spannend: Zwei der Finalisten waren in ihrer Vorrunden-Gruppe bis zur neunten von zehn Runden noch Letzter und konnten sich jeweils durch ein beherztes Sonderspiel auf den ersten (automatisch im Finale) oder zweiten Platz (die beiden besten Vorrunden-Zweiten kommen weiter) retten. Im Finale bahnte sich im letzten Spiel eine ähnlich dramatische Wende an. Mit einem starken Blatt übernahm Pia Rueß das Spiel, rief sich aber zur (zunächst unbekannten) Mitspielerin ausgerechnet die führende Nora Wohnhas auf, die somit in jedem Fall den Sieg sicher hatte. Tatsächlich verloren die beiden das Spiel knapp, die Punktereserve reichte trotzdem für Nora während Pia gänzlich leer ausging. Auf den zweiten Platz gelangte so Anna Gütler, auf dem dritten Platz landete Christof Ritscher.

Markus Benzinger