Ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat – Zum Tag der Begabungsförderung am 25.11.2014

Der Begriff der „Gabe“, zugleich der Stamm des Wortes Begabung stand erstaunlicherweise im Mittelpunkt, als am Dienstag,den 14.11. zum zehnjährigen Bestehen der Begabungsförderung am Salvatorkolleg eine Feierstunde mit Podiumsdiskussion stattfand. Die häufige Verwendung des Wortes „Gabe“ erscheint eben erstaunlich, da im wissenschaftlichen Diskurs wie auch in der politische Rede, ja selbst in den Lehrplänen dafür längst – und inflationär, so Alina Oehler – die Plastikwörter Ressource, Potential oder Kompetenz gebraucht werden. Und mit Gaben ist das Salvatorkolleg – und insbesondere die eigentliche „Jubilarin“, die Begabungsförderung – nach Ansicht der Referierenden des Abends reichlich gesegnet.
Bereits in seiner Begrüßung wies Schulleiter P.Friedrich Emde darauf hin, in wie vielfältiger Weise in der Begabungsförderung der Umgang mit Gaben stattfindet: Den Schülerinnen und Schülern werde neben Wissen auch Aufmerksamkeit gegeben, und gerade der „Regelunterricht“ gewinnt durch die Erkenntnisse aus der Begabungsförderung, die eben gerade keine Begabtenförderung (mittlerweile auch nicht mehr begrifflich) ist. Diesen Zusammenhang stellte auch Dietrich von Buttlar als Vertreter der Friedrich-Schiedel-Stiftung heraus und betonte zudem den ursprünglich experimentellen Charakter der Begabungsförderung am Salvatorkolleg, die zwar stets von der Stiftung, nicht aber vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg unterstützt wurde. Das einleitende biblische Zitat über die Gabe entstammt dem wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Weigand (PH Karlsruhe), die den seit der (mittlerweile in aller Munde sich befindlichen) Hattie-Studie stärker denn je beachteten Konnex zwischen Beziehung und Leistung im Prozess des schulischen Lernens betonte. Unter dem Titel „Schule der Person“ erläuterte Frau Prof. Weigand welche Umstände dem Lernen und der Persönlichkeitsentwicklung förderlich sind, wobei auffällig viele dieser positiven Faktoren am Salvatorkolleg tatsächlich zu finden sind. In der Nicht-Auslagerung der Begabungsförderung, die eben vielerorts eine separierte Begabten- bzw. Hochbegabtenförderung ist, bewegt sich das Wurzacher Gymnasium auf dem neuesten Stand der Forschung.
Auch wenn der Moderator Rolf Waldvogel, früherer Leiter des Kulturresorts der Schwäbischen Zeitung, um eine kontroverse Debatte bemüht war, blieb auch die Podiumsdiskussion im Ergebnis ähnlich den vorangegangenen Reden und Vorträgen. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Dr. Reinhard Dörfler, Vorstandsmitglied der Friedrich-Schiedel-Stiftung, die ehemalige Elternvorsitzende Dr. Brigitte Reuther, Mitglied des Landeselternbeirates, sowie die frühere Kollegschülerin Alina R. Oehler (geb. Hübner), freie Journalistin und Studentin der Theologie und Philosophie und der pädagogische Geschäftsführer des Schul-Trägerverbandes Paul Stollhof – über die hohe Qualität des Unterrichts und der Begabungsförderung am Salvatorkolleg. Darüber hinaus unterstrich  Paul Stollhof die Bedeutung des Konzeptes von Bildung gegenüber demjenigen der Ausbildung, wie es von Seiten der Politik immer mehr forciert wird – und erntete dafür Applaus.
Wie denn die Gaben der Schule, die den Schülern (oder, oft auch, von den Schülern) gegeben werden konkret aussehen, davon konnten sich die Besucher ein Bild machen: Vier besonders beliebte Projekte der Begabungsförderung stellten sich vor: Der „Dauerbrenner“ Robotik (bzw. Roberta – Lernen mit Robotern), das Projekt „Italienisch – unterwegs“, das seit mehreren Jahren erfolgreich laufende „Schule macht Abenteuer“ sowie das relativ neue „Projekt Bierbrauen“. Sämtliche Projekte wurden von teilnehmenden Schülerinnen und Schülern und Lehrpersonen gemeinsam präsentiert. Zwei weitere Gesprächsrunden waren den ehemaligen Schülern und ihren Erfahrungen mit Schule und Begabungsförderung gewidmet. Hier berichteten Alina Oehler (Abitur 2010, s.o.), Stefanie Tüchert (Abitur 2009), Christian Saile (Abitur 2008) und Jochen Fähndrich (Abitur 2011) praktisch durchweg positiv bis euphorisch von ihrer Zeit am Salvatorkolleg.
Für das musikalische Rahmenprogramm sorgten zum einen die Schlossbläser, zum anderen das (übrigens ebenfalls im Rahmen der Begabungsförderung gegründete) Vokalensemble der Oberstufe. Ihnen allen, wie auch den wackeren Helfern am Büffet sei hiermit ein herzlicher Dank ausgesprochen.

 

Markus Benzinger

Beitrag in SWR 4

von Thea Thomiczek: SWR4 - Bodenseeradio hat am Tag der Begabungsförderung über das Projekt berichtet und Schülerinnen und Schüler interviewt.

Vortrag Frau Prof. Dr. Weigand

(Folienausdruck)