Austausch mit der „Kings School of Macclesfield“

„All together now“ (jetzt alle zusammen) lautet ein Titel der britischen Band „The Beatles“ aus dem Album „yellow submarine“ und weist treffend auf so verschiedene Weise auf den stattgefunden Austausch mit der englischen „Kings School of Macclesfield“ nahe Manchester hin. So kann man ganz trivial sagen, dass am 27. September eine Zahl von 24 Schülerinnen und Schüler alle zusammen mit den betreuenden Lehrern den Bus am Postplatz in Bad Wurzach bestiegen, um zu ihrem eigentlichen Beförderungsmittel Richtung Manchester Airport zu gelangen. Je näher man an den Münchner Flughafen kam, umso mehr war die Vorfreude und auch Aufregung zu spüren, denn für manche Schüler war dies der erste Flug in ihrem Leben. Nach Sicherheitskontrollen und Kaffeeversorgung im Flughafen ging es dann endlich los und nach einer kurzen Flugdauer von gerade einmal 1 ½ Stunden erreichte die Gruppe die Insel, genauer die ehemalige Industriestadt Manchester. Der Busfahrer „Andy“ erwartete alle schon am Flughafen und brachte die Gruppe zur Kings School in Macclesfield. Dort angekommen standen schon einige Schülerinnen als Empfangskomitee bereit, um die Austauschpartner und Lehrer zum Treffpunkt mit den Familien und Kollegen zu geleiten. Selten hat man einen so herzlichen und freundschaftlichen Empfang erlebt, wie die Kings School ihn vorbereitet hatte. Unsere Schüler und ihre Austauschpartner fanden sich relativ schnell, da es im Vorfeld des Austausches zu privaten Gesprächen oder Briefwechseln gekommen war- teilweise sogar zu Treffen. Sandwiches, Kuchen und Getränke sorgten für eine angenehme und willkommene Stimmung, während Mrs. Jessica Houghton, die Organisatorin auf englischer Seite, warme Begrüßungsworte und Erklärungen für den Ablauf der Woche verlauten ließ. Danach ging es für die Schüler auch schon in ihre Familien, mit denen sie auch den nächsten Tag (Sonntag) verbringen würden. Und der Sonntag kündigte wahrlich schon Positives an, denn das englische Wetter konnte durchaus mit der Bezeichnung „Goldener Oktober“ versehen werden, welches  glücklicher Weise mit nur kurzzeitigen Unterbrechungen die Woche über erhalten blieb.
Der erste Tag der Woche hielt für unsere Schüler gleich ein Highlight bereit, nämlich eine Fahrt nach Liverpool, speziell zu den Hafen Docks, wo die Schüler die Gelegenheit hatten das Beatles Museum zu entdecken und besichtigen. Das Museum über die berühmtesten Söhne der Stadt Liverpool ist wahrlich außergewöhnlich, da es geradezu ein „Erleben“ der verschiedenen Stationen  und Entwicklungen der Beatles ermöglicht. Dies gelingt, da ganze Straßenzüge, Geschäfte, Bars und vieles mehr rekonstruiert und dort aufgebaut wurden. Geführt durch einen Audioguide, der auch mit persönlichen Kommentaren gespickt ist, konnte jeder Schüler das Museum auf eigene Faust erkunden. Anschließend blieb noch etwas Zeit die nähere Umgebung bzw. die Innenstadt Liverpools zu entdecken.
Der nächste Tag wartete mit einem bekannteren und doch sich unterscheidenden Blick auf England auf – nämlich Unterricht. Die Schüler und auch die betreuenden Lehrer hatten die Möglichkeit mit ihren Austauschpartnern und Kollegen die ersten Stunden des Schultages zu erleben. Dabei waren vor allem die äußeren und formalen Unterschiede der Schul- und Lehrorganisation interessant. Als ein wesentliches Merkmal kann wohl die „Assembly“ genannt werden. Die Assembly findet jeden Morgen vor dem regulären Unterricht statt. Alle Schüler versammeln sich in einer großen Halle und lauschen den Neuigkeiten und Verkündigungen der Schulleitung bzw. einzelner Fachbereiche. Während dieser Versammlung kommen auch musische Elemente und auch aktuelle Themen des Weltgeschehens zum Tragen. Als weiterer großer Differenzaspekt ist an dieser Stelle auch die Schuluniform zu nennen, die jeder Schüler tragen muss. Dies wurde auch heiß zwischen den deutschen Schülern vom Salvatorkolleg diskutiert, ob man so etwas nicht generell in Deutschland auch haben sollte – das Ergebnis blieb aber offen. Der an den Unterricht sich anschließende Besuch des historischen Ortes „Eyam“ bot den Schülern einen Einblick in die Situation eines Dorfes, das von der Pest heimgesucht wurde und welch drastische Konsequenzen die Bürger für sich und ihre Angehörigen getroffen hatten. Die Einwohner beschlossen nämlich freiwillig in Isolation zu leben, um eine Ausbreitung der Pest zu verhindern. Der Preis war hoch und hatte dennoch das edle Ergebnis, dass sich die Pest tatsächlich nicht weiter ausgebreitet hat.
Wer mittelalterlich-historische und obendrein lebendige mit netten und schönen Einkaufsmöglichkeiten ausgestattete Städte mag, der wird Chester lieben. So gesehen, war der dritte Tag wieder ein Highlight des Austausches. Nach einer wunderbaren und charmanten Stadtführung einer älteren Damen, die mit ihrem breiten aber zielgerichteten Wissen eine Führung entlang der historischen Stadtmauer die Schüler unterhielt, konnte man sich der Stadt selbst mit ihren Gebäuden, Läden und Tea-Rooms widmen. Die Zeit verging nur so wie im Fluge und fast bedauernd musste man die Rückfahrt mit dem Bus antreten.
Historisch sind in England aber nicht nur die Städte, sondern auch öffentliche Funktionen – jedenfalls was die Amtstracht betrifft. So konnten die Schüler des Salvatorkollegs am nächsten Tag des Austausches die Bürgermeisterin (Madam Mayor) von Macclesfield kennen lernen und sich mit ihr unterhalten. Dabei trug die Bürgermeisterin ihre offizielle und formelle Berufskleidung, was sich in Form eines langen roten Übermantels, einer großen goldenen Amtskette und einem schwarzen Krempenhut aus dem 18. Jahrhundert darbot. Um den Bezug an diesem Tag weiterhin auf Macclesfield zu richten, wurde gegen Mittag die ehemalige hiesige Seidenproduktionsfirma besichtigt, die heute aber in ein Museum umgewandelt ist. Im Anschluss daran konnten die Schüler in einer amüsanten und kurzweiligen Unterrichtsstunde aus der „viktorianischen Zeit“ bei „Mom“ entdecken, dass es vielleicht nicht ganz so „schlecht“ ist heutzutage in die Schule zu gehen. Große Erheiterung gab es, nachdem die viktorianische Lehrerin vor allem die Kollegen aus dem 21. Jahrhundert gemaßregelt hat. Manch „pädagogische Raffinesse“ aus dieser Zeit ist aber Gott sei Dank nicht mehr praktikabel.
Last but not least – der Ausflug nach Manchester. Am letzten ganzen Tag ging es als krönender Abschluss in die Industriemetropole Manchester. Es ist eine Stadt, die wirklich den Namen verdient und mit Städten wie Washington, Berlin und andere größere Zentren auf jeden Fall mithalten kann. Um einen Einblick in eine der bedeutendsten Entwicklungen und Zeiten sowohl für Manchester als auch für England und nicht zuletzt auch für die ganze Welt zu erlangen, ging es als erste Station in das „Museum of Science and Industry“, welches die Geschichte der Industrialisierung und Wissenschaft zum Thema hat. Dass dies kein gewöhnliches Museum ist, liegt nicht nur daran, dass es über mehrere Gebäude hin verteilt ist, sondern auch an seiner Ausstattung. Originale und vor allem noch funktionierende Geräte, die teilweise ganze Räume füllen. Angefangen von Dampfmaschinen aus dem 19. Jahrhundert, Lokomotiven, Flugzeuge bis hin zu Einrichtungsgegenständen aus den verschiedenen Jahrzehnten der technischen Entwicklung bis in unsere Gegenwart.  In regelmäßigen Abständen zeigt das Museumspersonal verschiedene wissenschaftliche, technische Versuche oder erklärt Zusammenhänge einzelner Geräte und das für die unterschiedlichsten Altersklassen. Gemeinsam mit Lehrern und Schülern wurde festgestellt, dass es sich hier lohnt länger zu verweilen. Allerdings nicht dieses Mal, denn Manchester City sollte ebenfalls noch Teil des Ausfluges werden. So bekamen die Schüler in Grüppchen genügend Zeit mit Stadtplänen die Stadt zu erkunden und entweder die historischen und kulturellen Gebäude und Architektur zu genießen oder auch den vielzähligen Einkaufs – und Bummelmöglichkeiten nachzugehen. Für jeden Geschmack bietet diese Stadt, die nebenbei auch ein Opernhaus unterhält, etwas.
Finally - muss am Ende eines Austausches auch wieder die Abreise stehen. Als wollte England und Macclesfield unseren Abschied beweinen, regnete es am letzten Tag in Strömen. Aber nicht nur der Himmel brach in Tränen aus, auch hier und da mussten sich die Schüler und ihre Austauschpartner ein Tränchen verdrücken, was mal mehr mal weniger gelang. Festzuhalten ist am Ende dieses wunderbaren Austausches, dass die Schüler eine wirklich gute Zeit hatten, nette Bekanntschaften gemacht  und sich vielleicht sogar Freundschaften fürs Leben gebildet haben. Um den Bogen wieder zu schließen kann man sagen, dass für alle zusammen der Einblick in eine in manchen Aspekte unterschiedliche Kultur, der gedankliche und verbale Austausch mit Menschen, die eine fremde Sprache sprechen und auch die Erfahrungen fern von zu Hause zu sein sicherlich nachhaltig prägend und bereichernd war. Neben den Schülern konnten auch die begleitenden Lehrer gute und nette Kontakte zum dortigen Kollegium und der Schulleitung knüpfen, die eine vielversprechende Zukunft für beide Seiten in Aussicht stellen. Doch das wird vermutlich Teil eines zukünftigen Berichts sein.
Frank Harteker

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Bilder aus Macclesfield