Die letzte Premiere: Die Theater AG spielt Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter"

Noch einmal gab es eine Premiere, am Mittwoch, den 22. Juli 2015. Zum letzten Mal wurde unter der Leitung von Bernhard Maier, der über Jahrzehnte die Theater AG am Salvatorkolleg geleitet und geprägt hat, ein Stück aufgeführt. Es handelte sich dabei um Max Frischs Klassiker Biedermann und die Brandstifter aus dem Jahr 1958. Das „Lehrstück ohne Lehre“ dürfte Generationen von Schülern wohlbekannt sein und hat auch bei seiner Premiere im Foyer des Salvatorkollegs wieder zahlreiche Besucher angezogen.
Haarwasserfabrikant Biedermann, das Urbild des selbstgefälligen besitzbürgerlichen Spießers, wettert gegen die Brandstiftungen, die in seiner Umgebung zunehmen. Gleichwohl gewährt er zuerst einem ziemlich unverfroren auftretenden Obdachlosen, danach auch dessen dubiosen Kumpan Unterschlupf in seinem Hause. Als er den Versuch unternimmt, die schrägen Vögel wieder loszuwerden, gelingt es ihm nicht – und bei jedem weiteren Anlauf handelt Biedermann erfolgloser. Dieweil lagern die beiden „Mitbewohner“ Benzinfässer und Zünder auf dem Biedermann‘schen Dachboden. Ironischerweise verschließt der Hausherr seine Augen immer mehr, je deutlicher sich herausstellt, dass er Brandstifter in seinem Hause beherbergt. Zum Schluss fackeln die beiden Gestalten Biedermanns Domizil mit Streichhölzern ab, die Biedermann selbst ihnen gegeben hat.

Überdeutlich und exemplarisch trägt die Hauptfigur die Züge des philiströsen Bürgers, der Moral durch Sentimentalität, Aufrichtigkeit durch Heuchelei und Verstand durch Konformitätsdenken ersetzt. Gerade die abgründige Seite dieser Figur vermochte Jakob Frey glaubwürdig umzusetzen, insbesondere im Umgang mit Ehefrau Babette – gespielt von Mira Kohlöffel – und Dienstmädchen Anna (Charlotte Stei). Kongenial als Widerpart zu Biedermann angelegt war die Rolle des Ringers und Hausierers Schmitz, den Timo Roujean herrlich ungeniert und grobschlächtig darstellte. Mit deutlich besseren Manieren, aber ähnlich ausgeprägter Suggestionskraft trat Schmitz‘ Kompagnon Eisenring, gespielt von Antonia Mangler, auf. In parodistischer Parallele zur klassischen griechischen Tragödie kommentierte ein Chor, hier: ein Feuerwehrchor, bestehend aus Luis Schöllhorn, Britta Greshake, Julian Karrer, Sofia Mezger, Michael Schöllhorn und Nora Wohnhaas das Geschehen auf der Bühne. Ein Glanzlicht setzte Regisseur Bernhard Maier in der Rolle des Dr. phil, der den abwesenden Schüler Jan Heinrich kurzfristig ersetzte.


An dieser Stelle sei noch einmal allen gedankt, die zum Gelingen der Premiere beigetragen haben, sei es auf der Bühne, am Getränkestand, sei es als spontan eingesetzter Tontechniker (hier ein Dank an Peter Allgaier).

 

Markus Benzinger