Wie es Euch gefällt! - Zeugnisvergabe und Abiturfeier im Shakespeare-Jahr 2014

Welches von Shakespeares Stücken passt wohl am besten zur Abiturjahrgang 2014 und seinen Fährnissen in den letzten Wochen und Monaten? Schulleiter P. Friedrich Emde stellte diese Frage im Rahmen seiner diesjährigen Rede zur feierlichen Verleihung der Abiturzeugnisse im Barocktreppenhaus des Wurzacher Schlosses. Eine verbindliche Antwort darauf blieb aus, da es unmöglich ist, all der Vielschichtigkeit der – nun mit Abitur ausgestatteten – Individuen gerecht zu werden. Auch Clemens Hering als Vertreter der Eltern bediente sich zitierwürdiger Autoritäten, einen weiten Bogen von „Weltwissen der Siebenjährigen“ bis zum greisen Stéphane Hessel schlagend, um einerseits den Werdegang der Schüler, andererseits deren Verantwortung in heutiger Zeit zu thematisieren. Julius Greshake als Repräsentant der Schülerschaft hielt eine unprätentiöse, gleichwohl – oder gerade deshalb – bemerkenswerte Rede, in der er seinen Mitschülerinnen und Mitschülern vor allem Mut auf dem weiteren Lebensweg wünschte. Für den würdigen musikalischen Rahmen sorgten (wohl leider zum vorerst letzten Mal) Abiturientin Christine Behringer an der Harfe und Lehrerin Claudia Wick an der Querflöte.

„Wie es Euch gefällt“ – dieses Zitat könnte auch als Motto zur diesjährigen Abifeier passen, wobei das „Euch“ in erster Linie den Abiturienten gilt. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis wurden diese bereits zu Beginn einzeln mit aktuellen Foto, Kinder-/ Babyphoto und wunderlichem Namens-Epitheton dem Publikum vorgestellt. Dies, wie auch die Moderation des übrigen Abends, übernahmen Lisa Maier und Antonius von Waldburg-Zeil. Lediglich zwei der vierstündigen Kurse erhielten einen individuellen, voll ausgestalteten Programmpunkt: Zum einen der Musikkurs von Barbara Sigg, dessen durchweg weibliche Mitglieder ein selbst komponiertes Vokalstück für ihre Lehrerin darboten. Zum anderen musste es Physiklehrer Frank Schmuck in einer Gameshow mit gleich drei Autoritäten seines Fachs (Newton, Watt, Einstein, allesamt verkörpert durch Schüler) aufnehmen. Die Deutschkurse haben in Form eines Gemeinschaftsprojekts alle drei Abiturslektüren (Peter Stamm: Agnes, Georg Büchner: Dantons Tod, Max Frisch: Homo Faber) verfilmt – sehr zur Freude und zum Amusement des Publikums. Alle übrigen Lehrerinnen und Lehrer der vierstündigen Kurse wurden mit einer Oscar-Statuette beschenkt und – entsprechend der diesjährigen „realen“ Oscar-Verleihung – auf einem „Selfie“-Foto für die Nachwelt festgehalten. Das fulminante Finale: zu den Klängen von Vangelis`Hymne „Conquest of Paradise“ versammelte sich der gesamte Abiturjahrgang mit Kerzen auf der Bühne des verdunkelten Kurhauses. Dies war das feierliche Ende und der Startschuss für die Afterhour – aber das ist eine andere Geschichte...

Markus Benzinger