Ein wichtiges Kapitel in der Geschichte Bad Wurzachs – Zur Präsentation der englischen Übersetzung von Gisela Rothenhäuslers Buch „Das Wurzacher Schloss 1940-1945“

„Reaching Across the Barbed Wire“ - zu Deutsch etwa: „Über den Stacheldraht hinausreichen“ - so lautet der englische Titel des nun übersetzten Buches von Gisela Rothenhäusler zur Geschichte des Wurzacher Schlosses. Und tatsächlich war die übergroße Projektion von dreireihigem Stacheldraht das erste Bild, das Besucher am Abend des 5. Oktobers 2012 an der Nordfassade des Wurzacher Schlosses zu sehen bekamen. Dem „titelgebenden“ Bild folgten weitere, die die Geschichte des Bauwerks, das nunmehr die Projektionsfläche bot, insbesondere in den 1940er-Jahren illustrierten. Da der Abend nicht nur im Zeichen der Buchvorstellung, sondern ebenso des 70. Jahrestags der Deportation der Bewohner der Kanalinsel Jersey stand, wohnten zahlreiche Besucher aus Jersey, darunter ehemalige Deportierte, der Präsentation bei, die zweisprachig – deutsch von Egon Rothenhäusler, englisch von Christine König – kommentiert wurde.
Im Anschluss an die monumentale Projektion unter freiem Himmel fand im Foyer des Salvatorkollegs die feierliche Präsentation des nun auch in englischer Sprache verfügbaren Buches von Gisela Rothenhäusler statt. Bereits in seiner einleitenden Rede hob Bürgermeister Roland Bürkle die Bedeutung des Buches für die Stadt Bad Wurzach hervor, sei es hinsichtlich des Verständnisses der eigenen Geschichte, sei es als Beitrag zur weiteren Festigung der Partnerschaft Bad Wurzachs mit der Stadt St. Helier (Jersey). Dem pflichtete auch der folgende Redner, Sir Michael Birt, Bailiff of Jersey, bei. Er erinnerte daran, dass – entsprechend dem Titel des Buches – der um das Wurzacher Schloss gezogene Stacheldraht eben nicht nur als Symbol für scharfe Abgrenzung , sondern in seiner „Durchlässigkeit“ („Reaching Across...“) auch für Annäherung und Verständigung stehen kann.
Den Kern der Feier bildete sicherlich der Vortrag der Autorin selbst, Gisela Rothenhäusler, der die Geschichte des Wurzacher Schlosses als Gefangenenlager lebendig werden ließ. Obgleich die Präsentation mehr als eine Stunde umfasste, erwies sie sich als äußerst kurzweilig und interessant: Gestützt auf zahlreiche Bildquellen, die mit großer Sorgfalt und unermüdlichem Eifer zusammengetragen wurden, konnten sich die Zuhörer ein plastisches Bild nicht nur vom Leben der Internierten im Wurzacher Schloss, sondern ebenso von den historischen Hintergründen machen. Dabei schlossen sich wissenschaftliche Präzision, umfassende Darstellung, Humor und Anschaulichkeit keineswegs aus.
Den Abschluss des offiziellen Teils bildete eine kurze Dankesrede des Schulleiters P. Friedrich Emde, der dabei sowohl die Leistung Frau Rothenhäuslers als auch die Unterstützung durch die Stadt Bad Wurzach sowie die den Bailiff of Jersey würdigte. Beim anschließenden Empfang konnten Besucher aus der Region mit Gästen von der Insel Jersey ins Gespräch kommen – von dieser Gelegenheit wurde denn auch reichlich Gebrauch gemacht. Den passenden musikalischen Rahmen hierzu schuf die Big Band des Salvatorkollegs unter der Leitung von Manfred Gaupp.

Markus Benzinger