Ein gediegener Abschluss



Zur Verleihung der Abiturzeugnisse und zum Abiball, 28.06.13

Die wiedererwachte Lust der jungen Generation am Feierlichen und Zeremoniellen war in diesem Jahr Thema der Texterörterung im Deutsch-Abitur. Doch während der dort vorgelegte Artikel aus der FAZ diese Entwicklung eher kritisch betrachtet, zeigte der Abend der Zeugnisverleihung und der Abiturfeier am 28. Juni die positiven Seiten der „Neuen Gediegenheit“.
Am Beginn der Feierlichkeiten stand der traditionelle, erstmals vom neuen Schulseelsorger P. Mariusz Kowalski zelebrierte Abitursgottesdienst, der trotz der geringen Zahl an Abiturienten in diesem Jahr sehr gut besucht gewesen ist. Unter dem Motto „Was uns hält“ stand der Glaube, insbesondere aber der Glaube an sich selbst im Mittelpunkt des feierlichen Geschehens.
Da in diesem Jahr, wie schon angedeutet, die kleinste Abitursstufe seit etwa 20 Jahren verabschiedet wurde, konnte die Zeugnisübergabe im Barocktreppenhaus des Wurzacher Schlosses stattfinden. Passend zu diesem würdigen Rahmen gestaltete sich die musikalische Untermalung durch barocke Bläserstücke (Solist: Philip Föhr), Bratschen- (Raphael Schönball) und Gesangssoli (Diana Hones), stets am (aus Platzgründen elektronischen) Klavier begleitet durch Cosmas Mohr und Vanessa Lindl. Wie aus der eröffnenden Rede von Schulleiter P. Friedrich Emde hervorging, haben sämtliche zum Abitur zugelassenen Schülerinnen und Schüler die Prüfungen bestanden, obschon bei dreien im Fach Sport noch eine Prüfung aussteht. Die Elternvertreter, Frau Armsen und Herr Graf, bedankten sich namentlich bei sämtlichen in der Kursstufe des Abitursjahrgangs unterrichtenden Lehrkräften und hoben – am Beispiel von Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“ – die Vielzahl der Möglichkeiten hervor, die den Absolventen des Salvatorkollegs nun offenstehen. Für große Erheiterung sorgte die Rede des jahrgangsbesten Schülers, Raphael Schönball, der, ausgehend von Loriots berühmter „inhaltsloser Bundestagsrede“, vor leerem Gerede und Belanglosigkeit warnte und stattdessen, verweisend auf das Schulprofil des Salvatorkollegs, zu Aufrichtigkeit und Engagement ermutigte.
Von barocker Pracht zu loungehafter Noblesse – so lässt sich der Raumwechsel von der Zeugnisverleihung zum Abiball im Kurhaus am besten umschreiben. In stilsicherem Retro-Ambiente der 50er-Jahre, musikalisch akzentuiert durch die Klänge der erstklassig spielenden Big-Band, wurde die Abifeier inszeniert. Dabei lag der Schwerpunkt eindeutig auf dem Musikalischen. So bot ein Trio, bestehend aus Pianist Cosmas Mohr, Bratschist Raphael Schönball und Percussionist Dominik Minsch nicht nur eine denkwürdige Interpretation von Brahms, gespielt auf mehreren Dutzend leerer oder halbleerer Flaschen, sondern bildete mit seinen fulminanten Darbietungen auch den Rahmen der gesamten Veranstaltung. Dabei ist insbesondere Dominik Minschs virtuoses, zwischen Verspieltheit und Hypnotik changierender Vortrag auf der Marimba vom Publikum begeistert aufgenommen worden. Das auch das Amüsement nicht zu kurz kam, dafür sorgten die, zwar quantitativ wenigen, qualitativ aber überragenden Showeinlagen der vierstündigen Kurse. Neben der bereits erwähnten „Flaschen-Nummer“ des Musikkurses waren dies zum einen eine fiktive Quizshow im Stile von „Wer wird Millionär“, in der das Fachwissen von Physiklehrer Alexander Notz – mit teils unlauteren Methoden – auf die Probe gestellt wurde. Zum anderen wurde Geschichtslehrerin Gisela Rothenhäusler mit einer ihrer eigenen Unterrichtsstunden, freilich in satirischer Zuspitzung, konfrontiert.
Bereits kurz nach elf Uhr war die Soiree beendet, die Abiturientinnen und Abiturienten verabschiedeten sich zur „internen“ Abi-Feier im informellen Rahmen. Ob das hohe Maß an Gediegenheit und Feierlichkeit auch dort vorherrschte, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers.

Markus Benzinger

>> Artikel in der SZ (29. Juni 2013)