Digitale Medien, Jugend und ein neues Zeitalter

Auf Einladung des Elternbeirates bekam unsere Schule am Abend des 16. November Besuch von Dr. Dirk Dammann, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Fachkliniken Wangen. Der Vater von vier Kindern im Alter von 4-14 Jahren, verheiratet mit einer Lehrerin am Ruppert-Neß-Gymnasium in Wangen, informierte schätzungsweise 80-90 Anwesende in seinem sehr kurzweiligen Vortrag über Beobachtungen, Erkenntnisse und mitunter dramatische Folgen, die unser neues Medienzeitalter in der einschlägigen Fachwelt erkennen lässt.
Ohne zu bewerten oder gar über zu bewerten wurden Daten von großen Beobachtungsstudien gezeigt, die klare Schlüsse und Zusammenhänge nahelegen. Die Dauer des TV- und PC- Konsums korreliere schichtunabhängig klar mit messbar sinkenden Schulleistungen. Es gäbe eindeutig nachweisbare Geschlechterunterschiede in der Reaktion und Ansprechbarkeit des Gehirns auf dargebotene Spielinhalte, wobei die milliardenschwere Spielindustrie sich nicht scheue, spielbegeisterte Kinder und Jugendliche durchaus bewusst in eine Abhängigkeit zu locken. Suchtverhalten – einmal entwickelt – unterscheide sich in nichts mehr von stoffgebundenen Süchten, wie z. B. Alkohol oder Drogen.
Nur angerissen werden konnten geeignete erzieherische Antworten auf diese Gefahren. Strikte Verbote eignen sich auch hier bekanntlich nicht, viel eher sei eine möglichst konsequente Erziehung angebracht, die Kinder, ihrem Alter entsprechend, zu eigenverantwortlichem Einhalten sinnvoller Regeln anleite. Diese müssten sowohl in der Familie als auch in den an der Erziehung beteiligten Institutionen  Kindergarten und Schule jeweils gemeinsam ausgehandelt werden.
Eine Verteufelung der Entwicklung sei keinesfalls angebracht – unsere Arbeitswelt wäre ohne die Möglichkeiten der rasanten Informationsweitergabe und –verarbeitung gar nicht mehr denkbar. Das Hineinwachsen und den verantwortungsvollen Umgang müssten Erwachsene gestalten und begleiten, daher sei es wichtig, sich der Risiken und Gefahren insbesondere für sich erst noch entwickelnde Persönlichkeiten bewusst zu sein. Abschließend bot Dr. Dammann bei Verdachtsfällen auf eine kritische Entwicklung den Anwesenden und der Schule eine unverbindliche Kontaktaufnahme zu seiner Institution als Hilfsangebot an.

Brigitte Reuther