Biologisches Kolloquium: Zielscheibe Gehirn

Am 15. Oktober fand am Salvatorkolleg das diesjährige biologische Kolloquium statt. In seinem Vortrag unter der Überschrift „Zielscheibe Gehirn“ sprach Dr. Leibfarth über Suchtmittel, ihre Wirkungsweise die Nebenwirkungen und die Schäden, die sie hervorrufen.

Suchtmittel wirken, indem sie das körpereigene Belohnungssystem verstärkt aktivieren. Sie lösen die Freisetzung von Glückshormonen wie Dopamin oder Serotonin aus, wodurch der Rausch entsteht.
Dieser hochgradig positive Reiz löst natürlich einen Wiederholungswunsch aus: das Gehirn lernt, dass das Einnehmen der Droge Glück auslöst. Aus diesem Wiederholungswunsch kann sich eine psychische Abhängigkeit von der Droge entwickeln. Die Folge: Die Motivationsprozesse und Interessen des betroffenen verschieben sich, irgendwann kreist sein Leben allein um die Droge.

Mindestens genauso problematisch wie die psychische ist die körperliche Abhängigkeit. Diese entsteht, weil der Körper auf die dauerhafte hohe Reizung des Belohnungssystems reagiert: Er macht es weniger empfindlich für den Glück auslösenden Botenstoff. Es ist jetzt eine sehr hohe Menge dieses Botenstoffs nötig, um ein Glücksempfinden auszulösen. Diese Menge kann nur noch durch Einnehmen der Droge erreicht werden. Während eines Entzugs wird dieser Vorgang allerdings wieder umgekehrt: Nach einiger Zeit wird der Körper wieder empfindlicher für den Glücksbotenstoff.

Die Entstehung von Sucht:

Genuss/Gebrauch-> vermehrter Konsum -> Gewöhnung -> Dosissteigerung und Missbrauch -> Sucht

Langfristiger Drogenkonsum kann die Gehirnstruktur und Aktivität der Gehirnregionen verändern – und damit die Persönlichkeit. Diese Veränderungen sind nicht immer umkehrbar und ungleich schwerwiegender, wenn mit dem Drogenkonsum schon im Jugendalter begonnen wurde. Denn das Gehirn entwickelt sich bist zum 21 Lebensjahr.

Was ist Sucht?

Wenn 3 der folgenden 6 Kriterien innerhalb der letzten 12 Monate zutrafen, liegt Sucht vor:

  1. Starker Konsumwunsch
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit
  3. Entzugssyndrom
  4. Toleranzentwicklung
  5. Vernachlässigung anderer Interessen
  6. Anhaltender Konsum trotz Schäden

Mit Drogen meinte Dr. Leibfarth aber nicht nur illegale Rauschmittel. Besonders beunruhigend waren seine Ausführungen zu Alkohol: Während der Konsum illegaler Rauschgifte in letzter Zeit rückläufig ist, nimmt der Alkoholmissbrauch gerade unter Jugendlichen weiter zu – mit unabsehbaren langfristigen Folgen.
Und auch Nikotin schädigt nicht nur den Körper, wie bereits hinreichend bekannt ist. Es macht den Körper auch empfindlicher für andere Rauschgifte.

Iljas Becker

Dr. Markus Leibfarth ist Facharzt für Psychiatrie am Zentrum für Psychiatrie in Weißenau. Dort therapiert er Suchtkranke.