Besinnungstage der Klasse 13

Am Montag, den 18.05.2009 brach etwa mehr als ein Drittel der 13. Jahrgangsstufe nach Eriskirch-Moos bei Friedrichshafen zu den Besinnungstagen auf. Hier waren wir im Schwesterhaus St. Theresienheim bestens untergebracht. Nach einer freundlichen Begrüßung durch Schwester Antonia, der Leiterin des Hauses, durften wir gleich bei einem gemütlichen Vesper Platz nehmen.
Der Leitfaden der Besinnungstage war dieses Jahr ein Bild mit dem Titel "Flugversuch" von Wolfgang Mattheuer, das einen Mann zeigt, der versucht aus einer Kiste herauszufliegen, in der noch weitere Menschen sind. Dieser Mann kann stellvertretend für die Situation der Abiturienten gesehen werden, denn für diese startet nun auch ein Flugversuch - in ein neues Leben nach der Schule.
Am ersten Abend begannen wir dann auch gleich unter diesem Motto die erste Einheit. Mit Fragekärtchen ausgestattet, verteilten wir uns im Haus, um in Kleingruppen à sechs Personen über die Fragen, die sich rund um die Zukunft (Beruf, Familie, was ist mir wichtig?) drehten, zu diskutieren.
Der nächste Morgen begann dann mit einer Selbstreflexion in Einzelarbeit. Es ging darum, sich mit seiner "Maske" des alltäglichen Lebens zu beschäftigen:
Was ist das Dunkle in meinem Leben? Das Peinliche? Das Schwere oder Ungelebte? Dieser Arbeitsauftrag war besonders deshalb interessant, weil man endlich wieder einen Weg zu sich finden konnte nach all dem Stress mit dem Abitur. Dennoch war es sehr schwierig, sich diesen Fragen zu stellen, denn wer beschäftigt sich schon gerne mit den negativen Aspekten seines Lebens?
Der nächste Schritt war dann der Versuch, ausgehend von den Erkenntnissen der Selbstreflexion, einen Schritt in die Zukunft zu gehen. Es galt sich vorzustellen, man feiere seinen 70. Geburtstag und all die Lieben und Verwandten seien dazu eingeladen. In Einzelarbeit schrieb nun jeder auf, was er sich von den Gästen zu hören wünscht. Wofür will ich bekannt sein? Was will ich erreicht haben? Wem will ich gedient/geholfen haben?
Anschließend formulierte man daraus Kernsätze, die man für sich ins Leben mitnehmen möchte.
Nachmittags gab es dann zuerst einmal ein wenig Freizeit, die z.B. am Bodensee verbracht wurde, der nur ca. 10 Gehminuten vom Haus entfernt ist. Mit neu gesammelten Kräften widmeten wir uns dann einem Fragebogen, welcher auf die Begabungen und Interessen des Einzelnen anspielte. Bei der späteren Besprechung der Fragen mit einem/r Freund/in fiel dann besonders auf, dass diese einen auf der Skala von 0-10 meistens ziemlich ähnlich eingeschätzt hätten. Doch die ein oder andere Einschätzung, die man vom Gegenüber zu hören bekam, war auch recht unterschiedlich zur eigenen und gab somit neue Denkanstöße.
Große Beliebtheit fand auch eine Partnerübung zum Thema "Vertrauen", bei der Partner A von Partner B im Freien nur durch Nennen des Namens in verschiedenen Tonlagen gelotst wurde. Partner A hatte hierbei geschlossene Augen. Das Gefühl, dass man vielleicht gegen etwas stößt, weil Partner B eventuell nicht aufpasst und dann die Erleichterung, weil doch nichts passierte, waren eine spannende Erfahrung.
Zum Ausklang des Tages gab es dann noch einen Film mit dem Titel "Matchpoint", der von der Wichtigkeit vom Glück und vom Pech im Leben handelte.
Der Mittwochmorgen begann dann mit einem Bibliodrama, bei welchem wir uns näher mit der Bibelstelle "Die Heilung des Gelähmten" beschäftigten. Jeder sollte sich überlegen, welche Rolle er übernehmen möchte. Die Rollen konnten hierbei real (z.B. Jesus, der Gelähmte, Zuschauer, etc.) sein oder auch irreal (z.B. Zweifel, Glaube, Türpfosten, etc.). Nachdem jeder seinen Platz eingenommen hatte, wurden dann einzelne von Pater Hubert nach ihrer Rolle und ihrer Aufgabe befragt. Auch dies war wieder sehr beeindruckend - einerseits weil von den anderen sehr interessante Ideen bezüglich der Rollen zu hören waren und andererseits weil es eine ganz neue Art des Umgangs mit Bibelstellen war.
Zum Abschluss feierten wir dann noch einen Gottesdienst, der, ganz zwanglos, noch eine kleine Fragerunde zum Thema "Was mache ich nach dem Abitur?" beinhaltete.
Um den Bericht nun zu Ende zu bringen, möchte ich noch ein paar treffende Schlagworte nennen: Entschleuniger, Selbstreflexion, Raum für Diskussion, Erleichterung (man ist nicht allein mit seinen Zukunftsängsten), Erholung, Zusammenhalt.

Für die tollen Besinnungstage möchten wir uns ganz herzlich bei Pater Hubert und Pater Friedrich für die Organisation und Durchführung bedanken und natürlich bei Schwester Antonia, bei Schwester Marialfonse für Essensversorgung und bei allen anderen Mitarbeitern von St. Theresienheim für die Arbeit, die sonst noch zu tun war.

Text von Anja Odorico