Tag der Begabungsförderung 27.11.2009

Das Gymnasium Salvatorkolleg stellte am Tag der Begabungsförderung am 27. November 09 die Konzeption seiner von der Friedrich-Schiedel-Stiftung finanzierten Begabungsförderung im Beisein des Kultusministers des Landes Baden-Württemberg  Helmut Rau vor.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Schulleiter P. Dr. Friedrich Emde und Herrn Helmut Morczinietz, den Vorsitzenden des Beirats zur Begabungsförderung, stellte Herr Dietrich von Buttlar als Vertreter der Friedrich-Schiedel-Stiftung das Anliegen der Stiftung vor: Durch ein spezifisches Unterrichtsangebot sollten junge Menschen zu selbstständigen, selbstverantwortlichen Persönlichkeiten mit ausgeprägter ethischer Fundierung herangebildet  und ihre individuell unterschiedlichen Fähigkeiten und ihre Leistungsbereitschaft entwickelt werden.

Der stellvertretende Schulleiter und Leiter der Begabungsförderung am Salvatorkolleg, Klaus Amann, erläuterte dann das Konzept der Begabungsförderung: Begabungen werden gefördert, indem die für die Umsetzung erforderlichen Kompetenzen entwickelt werden. Dies geschieht in konkreten Projekten, die Lehrerinnen und Lehrer anbieten und die im Verlauf des Projekts zunehmend von den Schülerinnen und Schülern gestaltet werden. Die Lehrer begleiten die Schüler im Lernprozess der Projekte als Mentoren, besprechen mit ihnen regelmäßig die eigenen Arbeitsmethoden und die Zusammenarbeit in der Projektgruppe. Einmal pro Jahr findet ein Rückmeldegespräch zwischen Lehrer und Schüler zum Ergebnis der Persönlichkeitsdiagnostik statt, um gezielt über Möglichkeiten einer besseren Begabungsausschöpfung zu sprechen.

Das Konzept – so Klaus Amann in seinem Vortrag – hat seine Stärke in der Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung und dient dadurch nicht nur der Wissensvermittlung sondern der Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler.

Im ersten wissenschaftlichen Vortrag erläuterte Frau Prof. Dr. Nicola Baumann von der Universität Trier, „Wie aus Begabung Leistung wird: Diagnostik und Förderung persönlicher Kompetenzen“. Sie stellte die von Prof. Julius Kuhl an der Universität Osnabrück entwickelte PSI-Theorie (Persönlichkeit–System–Interaktion) vor und zeigte an Beispielen, wie die detaillierte Diagnose mit Hilfe der Theorie die Förderung persönlicher Kompetenzen möglich macht. Dadurch wird Leistungserbringung gefördert.

Im zweiten Vortrag stellte Herr Dr. Sebastian Renger vom DZBF (Deutsches Zentrum für Begabungsförderung und Begabungsforschung) in Hannover „Die wissenschaftliche Untersuchung am Salvatorkolleg: Ansatz und Ergebnisse“ vor. Die Untersuchung zeigt einen grundlegenden Fördereffekt im Anstieg der willentlichen Konzentrationsstärke und Misserfolgsbewältigung. Die Schüler der Begabungsförderung können die Kompetenzen stabilisieren, sich angstfrei für ihr Vorhaben zu motivieren und ihre Absichten umzusetzen. Sie vergleichen sich weniger mit anderen, gleichzeitig schätzen sie verstärkt die Zusammenarbeit in der Gruppe. Fördereffekte zeigen sich nicht nur im Bereich des belegten Projekts sondern auf allen schulischen Feldern. Dies zeigt, dass eine Förderung der Kompetenzen insgesamt stattgefunden hat.

Den dritten Teil der Veranstaltung eröffnete Herr Kultusminister Helmut Rau mit einem Vortrag zur „Begabtenförderung des Landes Baden-Württemberg“. In den letzten Jahren wurde die Information, Diagnose und Beratung zur Hochbegabung intensiv aufgebaut, zahlreiche Kinder- und Jugendakademien entstanden. Mittlerweile gibt es neben dem Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd an 15 Schulen des Landes Hochbegabtenklassen. Kultusminister Rau zeigte sich in seinem Vortrag von der Idee der „Begabungsförderung“ (im Gegensatz zu „Begabtenförderung“) angetan. Er sah das Projekt Begabungsförderung am Salvatorkolleg in einer Reihe mit dem Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd und dem ebenfalls privat geführten Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Neckargmünd.

Der Kultusminister lobte das Engagement der Familie und der Stiftung Friedrich Schiedel, ohne das die Begabungsförderung in Bad Wurzach nicht so weit gekommen wäre. Er bedankte sich bei Bürgermeister Bürkle, der mit dem Bildungshaus in Arnach eine Vorreiterrolle in der Schullandschaft ermöglicht hatte.

Die abschließende Podiumsrunde widmete sich der Frage, weshalb Begabungsförderung gerade im ländlichen Raum gut angesiedelt ist. Bürgermeister Bürkle brachte hierbei seine Begeisterung für die Menschen im ländlichen Raum zum Ausdruck; auch lobte er die gute Arbeit der ortsansässigen Schulen, die praktisch alle Schüler zu einem Schulabschluss führen. Paul Stollhof, Pädagogischer Geschäftsführer des Salvatorkollegs, meinte: "Das hier praktizierte und beispielhafte Mentoring wünsche ich allen Schülern." Helmut Rau sah im ländlichen Bereich ein riesiges Potenzial von Menschen, die sich um Förderung von Begabungen kümmern wollen: „Die Schüler gehen hier nicht unter in der Anonymität.“

Umrahmt wurde die Veranstaltung durch musikalische Beträge der großen und kleinen Schlossbläser unter der Leitung von Winfried Gray und durch die Streichergruppe unter der Leitung von Edeltraut Häusle.  Präsentationen von Projekten aus der Begabungsförderung, bei denen auch die Erfahrungen von Schülern und Lehrern mit der Arbeit in der Begabungsförderung eingebracht wurden, rundeten das Bild ab. Gerade die als Video-Schnitt vorgestellten Erfahrungen zeigten, welch nachhaltige Wirkungen die Begabungsförderung entstehen lassen kann.