Frühere Schuljahre
Der Reisebericht
Um das „Land", mit dem wir uns mittwochs in den Mittagsstunden während unseres Jersey-Projekts auseinandersetzten, besser kennenzulernen, beschlossen wir, uns im April 07 vor Ort ein Bild der Kanalinsel zu machen. Dank der großzügigen Unterstützung des Partnerschaftvereins und des Ehemaligenvereins unserer Schule rückte diese „Exkursion" auch aus finanzieller Sicht in den Bereich des Möglichen.
Nach einer ausgedehnten Planungsphase saßen wir schließlich am 16.04.07 am Flughafen in München auf unseren gepackten Koffern und warteten auf das Flugzeug, das uns zunächst nach London bringen sollte. Auf dem Flughafen der Hauptstadt Großbritanniens mussten wir in eine kleinere Maschine umsteigen, die uns dann auf die Kanalinsel Jersey brachte.
Dort angekommen, wurden wir herzlich von Michael Ginns und seiner Frau, sowie dem „rasenden Reporter" der Jersey Evening Post, Tony Pike, empfangen und zu unserer Unterkunft gefahren, wo Mitglieder des Partnerschaftsverein aus Jersey bereits mit einer Mahlzeit auf uns warteten.
Am nächsten Tag wurden wir für Jersey-Verhältnisse früh (um 9:00 Uhr) von Peter Pearce abgeholt, der uns mit einem Kleinbus an allen Tagen als Fahrer betreute und uns mit seinem nicht endenden Vorrat an Geschichten über die Inseln unterhielt. Unser erstes Ziel waren die War Tunnels. Hier erklärte uns einer der Direktoren der War Tunnels, Chris Addy, zunächst, was es mit den War Tunnels auf sich habe, wie die Erhaltung und Restaurierung finanziert werden würde und wer für was zuständig sei. Anschließend besichtigten wir zusammen mit Mr. Ginns die War Tunnels und wurden von einem Fernsehteam, das eine Reportage über uns, die jungen Gäste aus Deutschland, drehte, begleitet und interviewt.
Den Mittag verbrachten wir in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, Batterie Moltke, an der Nordküste der Insel. Nachdem wir auf den Pritschen probegelegen hatten, machten wir uns auf den Weg ans Meer. Tony, der an diesem Tag unser Fahrer war, brachte uns nach St. Aubin, von wo aus wir gemütlich am Meer entlang Richtung „B-Bar" schlenderten, ein Restaurant in St. Helier, in das uns die Mitglieder des Partnerschaftsvereins zusammen mit den Jungs von „The Switch", die die Woche zuvor in Bad Wurzach gastiert hatten, zum Abendessen eingeladen hatten.
Der nächste Vormittag sollte uns einen Einblick in das Schulleben auf Jersey vermitteln, das sich, wie sich herausstellte, doch sehr von dem hiesigen unterscheidet. Wir nahmen am Englisch- und Geschichteunterricht teil, ließen uns von Andy Bailhache das Victoria College zeigen und stellten überrascht viele Ähnlichkeiten mit der legendären Zauberschule Hogwarts, die der Zauberlehrling Harry Potter besucht, fest.
Nach dem Lunch schlenderten wir ans Meer hinunter, wo wir unsere „Leisure time" bis zu unserem nächsten Termin, dem Besuch im Jersey Archive, verbringen und genießen konnten.
Im Jersey Archiv erwartete uns bereits Sue Groves, die Direktorin der Einrichtung, die uns bereitwillig die Räumlichkeiten des Archivs und die Schätze des Fundus in Form von alten Dokumenten, die in den Regalen des Archivs lagerten, zeigte und uns von der Arbeit im Archiv berichtete.
Wir bestaunten Postkarten, Bilder und Bastelarbeiten von ehemaligen Internierten während ihrer Zeit im Schloss in Bad Wurzach.
Am Donnerstag, dem zweitletzten Tag, den wir auf der Insel verbrachten, trafen wir uns schon morgens mit Mr. Ginns, dessen Frau Josephine, Paula Thelwell vom Heritage Trust und Jo Mitchell, dem "site-guardian" auf Mont Orgueil, einer alten Festung im Hafen von Gorey. Hier genossen wir den herrlichen Ausblick über das blaue, zum Teil von Nebel verschleierte Meer, während wir Jo Mitchells sehr interessanter Führung durch das „Gorey Castle" folgten.
Wir wurden von Dr. Angelika Harms-Stentiford, die sich im National Trust engagiert, abgeholt und unternahmen mit ihr einen Spaziergang auf den Hügeln Goreys, zwischen Kartoffeln und wildem Knoblauch, den wir, genauso wie den Fenchel, der dort wächst, laut Angelika bedenkenlos essen konnten. So wanderten wir, auf Fenchel kauend, durch die wundervolle Landschaft oberhalb der Hafenstadt und lauschten gespannt Anekdoten und Geschichten, die unsere Fremdenführerin von den auf Jersey lebenden Menschen zu berichten wusste.
Nach dem überaus amüsanten Spaziergang machten wir uns mit „wild garlic" und „Meeresspinat" in Plastiktüten bewaffnet auf den Weg zum Rathaus von St. Helier, in dem der Bürgermeister dieser Stadt, Simon Crowcroft, uns bereits erwartete und uns Rede und Antwort stand. Anschließend lud er uns zu sich zum Essen ein, wo wir seine Frau und seine zwei Töchter bei Spaghetti und Kerzenschein kennenlernten.
Unser letzter „ganzer" Tag in Jersey begann mit dem üblichen Frühstück, das aus nicht getoastetem Toastbrot, Black Butter, Sugarpuffs, echter Jerseymilch, Kuchen von Josephine Ginns und natürlich reichlich Kaffee bestand. Nach dem Frühstück fuhren wir auf die „South Hills", wo wir einen Termin mit Mr. Freddie Cohen, dem Minister für Umwelt und Planung, hatten. Wir erfuhren mehr über das (kaum existierende) Umweltbewusstsein der „Jersey people" und die Politik, die ein sehr komplexes System bildet, das selbst Inselbewohnern oftmals ein Mysterium bleibt.
Am Mittag trafen wir uns zu einem letzten Interview mit Daniel Austin, dem Direktor des Jersey Art Centre. Er beantwortete geduldig unsere Fragen bezüglich des Theaters und seiner Person und lud uns für den Abend zu einer Theateraufführung ein. Obwohl wir nicht alles verstehen konnten, war die Inszenierung des Stückes beeindruckend und gelungen und bewegt verließen wir den Theatersaal.
Am 21.04.07 verließen wir früh morgens um 7:30Uhr unsere Unterkunft im Minibus, mit dem uns Mr. Pearce zum Flughafen brachte. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Mr. Pearce, Tony Pike, Mr und Mrs Ginns und seiner Frau, die extra gekommen waren, stiegen wir in unseren Flieger und verließen mit gemischten Gefühlen die Kanalinsel, die uns eine Woche lang in ihren Bann gezogen hatte.


