Frühere Schuljahre
Simon Crowcroft - Constable
Hier möchten wir Ihnen Herr Simon Crowcroft, den derzeitigen Bürgermeister (in Jersey: constable) von St. Helier vorstellen.Er gab uns eine Einführung in das komplizierte politische System Jerseys, das auchauf Gemeindeebene nicht immer leicht verständlich ist:
Zuallererst muss gesagt werden, dass es in Jersey zwölf Gemeinden gibt, welche jeweils von einem Bürgermeister im "Jersey Parliament" und einer, der Anzahl der Menschen in der jeweiligen Gemeinde entsprechenden Anzahl (in St. Helier z.B.: 10) Abgeordneter (sog.: deputies) vertreten wird. In Jersey gibt es keinen mit Deutschland vergleichbaren Gemeinderat, es existiert lediglich ein "volunteer comittee", welches den Bürgermeister in bestimmten Bereichen, z.B.: dem Bau von Fahrradwegen, beraten kann. Eine der zahlreichen Besonderheiten dieser kleinen Insel im Ärmelkanal ist wohl, dass das Jahresbudget einer jeden Gemeinde einmal im Jahr vom Bürgermeister vorgestellt werden muss. Anschließend kann das Budget von einer Versammlung, zu der jeder, der in der Gemeinde wählt oder dort Steuern zahlt, kommen kann, verabschiedet bzw. abgelehnt werden. Somit kann das Budget, das einem Bürgermeister zur Verfügung steht, von den Bürgern einfach gekürzt werden, wodurch die Bürger einen natürlich stärkeren Einfluss auf das finanzielle Vorgehen ihres Bürgermeisters haben. Während unseres Interviews erzählte uns Simon Crowcroft (dessen Aussageim Wahlkampf immer war, die Ausgaben der Stadt in einem richtigem Maß zu halten), dass er zu Beginn seiner Legislaturperiode oft dafür kritisiert wurde, dass er zu viel Geld ausgebe und sein Budget um 1.2 Millionen Pfund gekürzt wurde.
"One of my main election promises was that I would cut the expenditure to a level that I thought was right"
Simon Crowcroft, der inzwischen in seiner zweiten Amtsperiode ist und nach Ablauf der dreijährigen Amtsperiode noch einmal kandidieren möchte, erläuterte, dass in Jersey derzeit etwa 75% der Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Finanzsektor abhängig sind.Weiterhin erfuhren wir während des Interviews, dass es auf Jersey Vollbeschäftigung (weniger als 3% Arbeitslosigkeit) gibt und jeder, der auf dieser Insel einen Job sucht, höchstwahrscheinlich einen Job in der Landwirtschaft, dem Tourismus oder aber dem Banksektor finden kann.
"If you stay here(…)you could probably all find work tomorrow."
Man hat jedoch Probleme, Wohnungen für mehr Arbeitnehmer bereitzustellen, da Immobilien sehr teuer sind. Auch muss jeder Neuankömmling erst eine Frist von mehreren Jahren abwarten, bis er sich überhaupt ein Haus kaufen darf! Unter den vielen Menschen, die im Sommer nach Jersey kommen, um zu arbeiten und anschließend vielleicht auch dort zu bleiben, sind viele Polen und andere Europäer. Dies zeigt nur, dass Jersey sein Image als Insel, auf der schon seit jeher viele Kulturen aufeinander treffen, bewahren konnte. So war Jersey in seiner langen Geschichte schon oft Zufluchtsort für Menschen, die beispielsweise wie die Hugenotten in Frankreich religiös verfolgt wurden.
("The transformation of St. Helier now into a multicultural community")
Im Jahr 2001 wurde die Entscheidung über eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen St. Helier und Bad Wurzach im dritten Anlauf schließlich beschlossen. 2002 wurden die Verträge geschlossen und die Urkunden von Simon Crowcroft und Roland Bürkle, dem Bürgermeister von Bad Wurzach unterzeichnet, um damit ein neues Kapitel im Verhältnis der beiden Städte zueinander zu beginnen.
