. . . er half, Türen zu öffnen !

Michael Ginns, Jahrgang 1927, kam als knapp 15-jähriger Junge zum ersten Mal nach Wurzach. Da seine Eltern in England geboren waren, gehörte die Familie zu der Gruppe von Inselbewohnern, die auf den Befehl Hitlers im September 1942 deportiert wurden. Nach einigen Wochen im Internierungslager Biberach wurde seine Familie am 30. Oktober mit etwa 600 anderen Männern, Frauen und Kinder in das vormalige Kriegsgefangenenlager im Wurzacher Schloss verlegt. Sein Vater durfte mit etlichen anderen alten und kranken Internierten im September 1944 vorzeitig nach England zurückkehren, seine Mutter und er folgten ihm im März 1945. Mit einem Augenzwinkern erzählt er: „Und deswegen habe ich zweimal Pech gehabt und einen Riesenspaß versäumt. Mit meinen Freunden hatte ich mir monatelang ausgemalt, was wir nach unserer Befreiung alles anstellen würden." Bei der Befreiung Wurzachs durch die französischen Truppen war er aber bereits in England - und das hieß, dass er auch die Befreiung Jerseys nicht miterleben konnte.

Michael Ginns sagt, so seltsam es sich anhören mag, dass er diese zweieinhalb Jahre seines Lebens nicht missen möchte, da er in dieser Zeit lernte, dass nicht alle Deutsche fanatische Nazis waren. Er verfügt über ein phänomenales Gedächntnis und erinnert sich an alle möglichen Details aus der Internierungszeit. Er weiß noch, in welchem Raum des Schlosses welche Familie untergebracht war, er erinnert sich an die Namen der Wachmannschaften und deren Eigenheiten, er weiß, wo die einzelnen Lagerangestellten wohnten - und er hat nie die Menschen aus Wurzach vergessen, die bereit waren, den Internierten zu helfen.

Aus diesen Grund setzt er sich schon seit Jahrzehnten für die Freundschaft zwischen Bad Wurzach und Jersey ein und kommt immer wieder gern zu Besuch nach Bad Wurzach: „It's home from home!" sagt er. Unsere Gruppe hatte die Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit ihm, als er im Januar 2007 nach Bad Wurzach kam, als ihm wegen seiner Verdienste um die Partnerschaft zwischen St. Helier und Bad Wurzach die Bürgermedaille der Stadt verliehen wurde. Er schilderte uns, was für ein Schock es für die Internierten war, als sie im Herbst 1942 von Biberach ins Wurzacher Schloss verlegt worden waren, das damals in einem furchtbaren Zustand gewesen sein muss:

„And then we came to this place which was dark and filthy and cold. There were as many as 30 people in one room. It was a little bit shocking first, but then after a while the place had been tidied up and cleaned. So we were better off here, because we were under one roof."

Mr. Ginns schilderte uns, wie das Leben als Internierter im Wurzacher Schloss ausgesehen hat und mit welchen Probleme man zu kämpfen hatte:

"You must remember that we were not in a concentration camp. We were in an internment camp where you got visits from Switzerland and from the Red Cross; and because there were a lot of children it was probably more relaxed. But it was boring - what should you do all day? Nothing. And so you were lucky to have a job. There were people who peeled the potatoes, there was a man who washed the corridors; there were two men who always cleaned the windows. ….. There was also the question of working on farms, working for the Germans! It was a difficult question, and only a few went. But anyway, we would have been better off if people had gone to work on the farms, because - all day in the same building - people were getting on each other's nerves."

Michael Ginns versicherte uns, dass ihm die Bad Wurzacher Bürgermedaille wichtiger sei als die Auszeichnung „MBE" (Member of the Order of the British Empire), die ihm von der englischen Königin für sein Engagement in der Channel Island Occupation Society verliehen wurde.

Auch bei unserem Besuch auf Jersey waren er und seine Frau Josephine wieder für uns da und begleiteten uns bei unserer Unternehmungen.
   

Foto: Tony Pike
Foto: Uli Gresser