Frühere Schuljahre
Ilag VC
Auch die Wurzacher Bevölkerung war sehr verwundert darüber, dass plötzlich so viele englische Familien im Schloss interniert waren. Das Lager im Wurzacher Schloss war kein Konzentrationslager, sondern ein Zivilinternierungslager. Nach wenigen Wochen unter Bewachung der Wehrmacht wurde die Verwaltung des Lagers am 1. Dezember 1942 an das württembergische Innenministerium übergegeben. Die Wacheinheiten der Wehrmacht wurden abgezogen und durch Polizeikräfte des Wachbataillons der Schutzpolizei Ravensburg ersetzt. Lagerkommandant wurde der Meister und spätere Leutnant der Schutzpolizei, Martin Riedesser. Es waren zu keinem Zeitpunkt SS-Wachen eingesetzt, auch wenn die zentrale Entscheidungsbefugnis über das Internierungslager in der Hand des Reichsführer-SS und Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern lag. Die zentralen Anweisungen kamen deshalb vom Reichssicherheitshauptamt in Berlin, in der Regel kümmerten sich aber Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, die in Liebenau ein Ausweichquartier gefunden hatten, und ein Mitarbeiter des württembergischen Innenministeriums um die Belange der Internierten.
Die Gefangenen standen von Anfang an unter dem Schutz internationaler Überwachung, d.h. dass Vertreter der Schutzmacht Schweiz und von Hilfsorganisationen wie dem Internationalen Roten Kreuz oder der Kriegsgefangenenhilfe der YMCA Zugang zu den Lagern erhielten und humanitäre Hilfe leisten durften. Aus diesem Grund waren die Internierten nach anfänglichen Versorgungsschwierigkeiten mit manchen Dingen besser versorgt als die Wurzacher Bevölkerung, was die Grundlage für einen verbotenen, aber regen Tauschhandel ergab - Schokolade oder Zigaretten gegen frisches Gemüse oder Fleisch. Kontaktmöglichkeiten ergaben sich bei den unter Bewachung der Schutzpolizei stattfindenden Spaziergängen. Mancher ältere Bewohner Wurzachs erinnert sich gern daran, dass er als Kind ein Stück Schokolade oder Kekse geschenkt bekam und ehemalige Internierte erzählen, dass sie als Kinder häufig Äpfel zugesteckt bekamen.