Frühere Schuljahre
Die Befreiung des Lagers
In Wurzach endete der Krieg am 28. April mit dem Einmarsch der französischen Truppen. Bis zur Beschießung des Dorfes Ziegelbach westlich von Wurzach hatte man angenommen, dass die Anwesenheit von britischen Zivilinternierten einen gewissen Schutz für die Bevölkerung bieten würde. Tatsächlich wussten die französischen Kampftruppen aber nichts von der Existenz des Lagers und hatten nach eigenen Angaben Befehl, beim geringsten Anzeichen eines bewaffneten Widerstandes das größte Gebäude in der Stadt zu beschießen, also ausgerechnet das Schloss. Da aber kein Widerstand geleistet wurde, konnten die französischen Truppen die Stadt ohne Kampfhandlungen besetzen. Die Internierten jubelten den französischen Soldaten, die den Stacheldraht niederrissen, begeistert zu. In allen Erinnerungen an diese Vorgänge taucht der französische Offizier auf, der sie mit einem "Vous êtes libres" am nun offenen Tor begrüßte. Vor dem Lagergelände wurde die britische Flagge, der Union Jack, gehisst. Der stellvertretende englische Lagerkapitän Frank Ray wurde zum provisorischen Bürgermeister ernannt und viele ältere Wurzacher sind heute noch überzeugt, dass sie es ihm zu verdanken haben, dass es in diesen ersten Tagen und Wochen keine Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung gab.
Die Internierten aus Jersey mussten noch einige Wochen lang auf ihre Heimreise warten, bis sie schließlich Anfang Juni 1945 vom Flugplatz Mengen zum britischen Militärflughafen Hendon in der Nähe von London ausgeflogen wurden. Joan Coles schreibt in ihrem Tagebuch "Three Years Behind Barbed Wire": "At last we were outside our prison, never to return!" Tatsächlich kamen aber bereits wenige Jahre nach dem Krieg ehemalige Internierte zurück nach Wurzach, um befreundete Familien zu besuchen. Diese Kontakte wurden über die Jahrzehnte hinweg gepflegt und führten schließlich 2002 zum Abschluss einer Städtepartnerschaft zwischen St. Helier auf Jersey und Bad Wurzach.