Der Beginn der Deportationen

Die von der Deportation betroffenen Menschen wussten nichts über die Ursachen ihrer Internierung. Selbst der mit der Ausführung des Deportationsbefehls beauftragte Feldkommandant konnte ihnen nur mitteilen, dass der Befehl direkt von Hitler gekommen sei.
Der Anfang dieser Ereignisse spielte sich in einer ganz anderen Region der Welt ab, nämlich im Iran. Hier waren im Herbst 1941 mehrere Hundert männliche, deutsche Zivilpersonen interniert worden, von denen der größere Teil in Lager nach Australien gebracht wurde. Hitler forderte als Vergeltungsmaßnahme, dass für jeden deportierten Irandeutschen zehn Engländer von den Kanalinseln in das polnisch-russische Grenzgebiet deportiert werden sollten. Aus unterschiedlichen Gründen hatten aber weder das Deutsche Auswärtige Amt noch die zuständigen Stellen der Wehrmacht Interesse an einer solchen Repressalie und so zogen sich die Vorbereitungen für die Deportationen fast ein Jahr hin.
Im Vergleich zu Millionen anderen Unglücklicher wurden die Menschen von den Kanalinseln unter viel besseren Umständen transportiert, nämlich in normalen Eisenbahnwagen, 2. Klasse. Allerdings wusste niemand, wohin die Reise gehen sollte. Eine große Gruppe landete im Oflag VI Dorsten, südwestlich von Münster in Westfalen, eine andere in Biberach im Lager "Lindele". Das Lager in Biberach erwies sich als zu klein für die große Zahl von Internierten, so dass schließlich das Schloss in Wurzach als Zweiglager für 618 Internierte übernommen wurde. Übereinstimmend berichten alle Internierten davon, wie entsetzt sie waren, als sie das Schloss zum ersten Mal sahen. Das alte Gebäude war verdreckt, die Betten waren feucht, Gips fiel von den Wänden und Decken - ein deprimierender Anblick.