Helmuth Morczinietz

Herr Morczinietz war von 1981 bis 2002 Bürgermeister und brachte in seiner Amtszeit alle Partnerschaften Bad Wurzachs auf den Weg. Die älteste Partnerschaft besteht mit der französischen Stadt Luxeuil-les-Bains (1988); in den Jahren danach kamen die Partnerschaften mit der englischen Stadt Wallingford (2000) und Popielow (2000) in Polen dazu. Bemühungen um die Partnerschaft
Der Weg zum Abschluss einer Partnerschaft mit Jersey war sehr schwierig.         

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit wurde Herr Morczinietz vom seinem Amtsvorgänger, Bürgermeister Hirth, darauf aufmerksam gemacht, dass eine Partnerschaft mit St. Helier auf Jersey aus historischen Gründen erstrebenswert wäre.
Im Jahr 1973, als in der Stadt Bad Wurzach das 700-jährige Bestehen gefeiert wurde (1273)
hatte Herr Hirth eine Delegation aus Jersey eingeladen; bereits damals wurde verabredet, eine Partnerschaft anzustreben. Doch war dieses Vorhaben auf Grund politischer Widerstände in Jersey in seiner Amtszeit nicht mehr umsetzbar. Daher ruhte die Idee einer Partnerschaft auch in der Amtsperiode Morczinietz' zunächst für ca. 2 Jahre. In dieser Zeit wurden allerdings mehrere Schüleraustausche mit Jersey organisiert, welche dann aber Mitte der Achtziger Jahre zum Erliegen kamen.
Dann wurde Herrn Morczinietz 1986 eine Einladung der Ex-Internees Association (EIA) - also die ehemaligen Internierten, die sich auf Jersey zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen haben - zugesandt, um persönliche Kontakte zu schließen. In der Zwischenzeit waren aber auch verschiedene "Jerseyaner" privat in Bad Wurzach, die Herrn Morczinietz dann in der Regel im Rathaus einen Besuch abstatteten. Ein Teil der Personen, die an einer Partnerstadt interessiert waren, waren also in Bad Wurzach schon bekannt. Bei einem Besuch auf Jersey traf Herr Morczinietz auch einige Damen und Herren, die im Schloss interniert gewesen waren, wie zum Beispiel Mrs. Coles und Mr. Hepburn. Über diese Begegnung mit Mr. Hepburn, der in einem Altenheim lebte, wurde im Fernsehen von Jersey ausführlich berichtet.
Die Jersey Evening Post erwähnte Morczinietz' Besuch auf Jersey ebenfalls. Nach seiner Erinnerung lautete die Überschrift des Artikels etwa: " It' s not all Bad in Wurzach". Anhand dieses Wortspiels konnte man erkennen, dass zwar von Seiten Bad Wurzachs wirklich Interesse bestand, eine Partnerschaft zustande zu bringen, auf Seiten von Jersey jedoch eine gewisse Zurückhaltung spürbar war. Mit Mrs. Coles, die ein Tagebuch über ihre Internierung im Wurzacher Schloss verfasst hat, kam es zu einem Gedankenaustausch über die Jahre der Internierung in Bad Wurzach. Der englische Titel des Tagebuches lautet: "Three years behind barbed wire." Herr Morczinietz machte auch noch die Bekanntschaft anderer maßgeblicher Leute in der EIA, u. a. Mr. Sampsons und Mr. Michael Ginns. Letzterer hat sich in den folgenden Jahren sehr um die Partnerschaft bemüht, jedoch scheiterten alle Bemühungen an den politischen Widrigkeiten. Herr Morczinietz hatte außerdem 1986 die Möglichkeit, den Bailiff von Jersey zu besuchen, welcher die Stellung eines Staatspräsidenten einnimmt. Er machte deutlich, dass an eine Partnerschaft zu dieser Zeit noch nicht zu denken sei. Emotional war das Thema Besatzungszeit noch sehr negativ in den Köpfen der Menschen auf Jersey verankert. Damit wurde klar, dass man die Sache nicht übers Knie brechen und dass man nur Erfolg haben konnte, wenn diese Partnerschaft auf politischer Ebene Zustimmung fände.
Im Jahr 1992 bekam Herr Morczinietz wieder eine Einladung von der EIA, dieses Mal um eine Ausstellung auf Jersey zu eröffnen. Im Rahmen dieser Ausstellung, die ein großer Erfolg war, wurden Bilder ehemaliger Internierter aus den Jahren 1942 bis 1945, die das Leben im Wurzacher Lager darstellten, gezeigt. Diese Möglichkeit nahm er wahr, um vor größerem Publikum wieder für den Gedanken der Partnerschaft zu werben. Seine Ansprache löste ein positives Echo in der Presse und im Fernsehen aus.
Im Jahre 1998, anlässlich des Heiligblutfestes, kam eine große Delegation unter Führung des damaligen Bürgermeisters von St. Helier, Robert Le Brocq nach Bad Wurzach. Die beiden Amtskollegen beschlossen: "Jetzt ist die Zeit da! Wir machen eine Partnerschaft!" Le Brocq versprach Herrn Morczinietz dann auch, sich im Stadtparlament von St. Helier dafür einzusetzen. Ein Jahr später war er ganz privat in Bad Wurzach und eröffnete ihm, dass der Versuch, eine Städtepartnerschaft einzugehen, erneut gescheitert war.

Gelingen der Partnerschaft

Der jetzige Bailiff, Sir Philip Bailhache, stand dem Gedanken einer Partnerschaft mit Bad Wurzach von Anfang an sehr positiv gegenüber. Er lud Herrn Morczinietz und dessen Frau drei Monate vor dessen Pensionierung zu einem Besuch nach Jersey zum Liberation Day am 09. Mai 2002 ein. Im Rahmen eines öffentlichen Dankgottesdienstes wurden er und seine Frau von ihm auf Deutsch begrüßt, was große Beachtung fand. Einen Tag später wurde er in den Amtssitz des Bailiffs von Jersey eingeladen. Man kam überein, eine Partnerschaft zu schließen. Selbstverständlich konnte diese nicht mit dem Inselparlament geschlossen werden, sondern nur mit einer Stadt, weshalb Herr Morczinietz noch während seines Aufenthaltes auf Jersey mit dem Bürgermeister von St. Helier Kontakt aufnahm.
Nach der Rückkehr von Jersey versuchte Herr Morcinietz die Partnerschaft mit Jersey in den noch verbleibenden zwei Monaten seiner Amtszeit unter Dach und Fach zu bringen. Doch war dies in den wenigen Wochen seiner restlichen Amtszeit leider nicht mehr zu schaffen, so dass die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde seinem Nachfolger, Herrn Bürkle, zufiel.
Herr Morczinietz sagt, dass der Abschluss der Partnernschaft mit Jersey deshalb am schwierigsten war, weil so viele emotionale Hürden zu überwinden waren. Es gab in der "Jersey Evening Post" auch eine ganze Reihe von Leserbriefen, die sich gegen die Partnerschaft aussprachen. Aber die Medien auf Jersey waren doch sehr überzeugt davon, dass man die Partnerschaft schließen solle und begleiteten dieses Unterfangen sehr positiv. Herr Morczinietz hat auch immer wieder betont, dass man nicht enttäuscht sein darf, wenn es immer noch und es vielleicht auch immer wieder, Menschen auf Jersey gibt, die auf Grund ihrer ganz persönlichen Erfahrungen sich noch nicht in eine Städtepartnerschaft einbringen können. Er bringe diesen Menschen Verständnis und auch Achtung entgegen, in der Hoffnung, dass sie eines Tages doch "ihre Herzen für die Ideale einer Städtepartnerschaft öffnen können."
Er war immer der Auffassung, dass es zu einer guten Kommunalpolitik gehört, dass man Partnerschaften anstrebt, um das Verstehen von Menschen auf kommunaler Ebene in verschiedenen Ländern zu fördern und zu pflegen. Er habe es immer für sehr wichtig erachtet, die demokratischen Erfahrungen auf der Grundlage unterschiedlicher politischer Strukturen vor Ort in einen Austausch miteinzubinden, sagt Herr Morczinietz.

Auch heute noch pflegt er freundschaftlichen Kontakt zum Bailiff von Jersey und freut sich über Post und Besuche aus Jersey.