Küstenbefestigungen auf Jersey

Bereits vor Beginn des Frankreichfeldzuges stand für Adolf Hitler fest, dass die Nordküste des sich bereits in seiner Hand befindlichen Frankreichs nach der Eroberung befestigt werden müsse. Grund zu dieser Annahme war die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich noch immer eine Gefahr für das sich allmählich über Europa ausbreitende Deutsche Reich darstellte - deshalb wurden am 14. Dezember 1941 die ersten Bauanordnungen für den sogenannten "Atlantikwall" getroffen. Dieser Atlantikwall bezeichnete eine Reihe von Küstenbefestigungen entlang der norwegischen, dänischen, niederländischen, deutschen, französischen sowie spanischen Küste, um eine eventuelle Invasion der Briten, später auch der Amerikaner, somit eine Landung auf "deutschem Boden", abzuwenden. Der Atlantikwall jedoch wurde nie wirklich nach den Vorstellungen Hitlers ausgebaut - nur einzelne Küstenstreifen der besagten Gebiete wurden weitestgehend befestigt. Sicherheit vor Invasionen konnte der Atlantikwall aber nicht gewährleisten.

Direkt an den Küsten lassen sich insgesamt dreizehn Kasematten zur Abwehr von aus Landungsbooten strömender Infanterie sowie leichten, motorisierten Einheiten finden. Zumeist auf felsigen Landzungen oder -spitzen gebaut, beherbergt Jersey fünfzehn Panzerabwehrkasematten, welche die kleinkalibrigen Stellungen sowie MG-Nester im Falle einer Landung am Strand mit erhöhter Feuer- und Durchschlagskraft unterstützen sowie vor Kettenfahrzeugen schützen sollten. Im Falle eines Luftangriffes durch Bombergeschwader befanden sich unzählige Luftabwehrstellungen nahe den strategisch wichtigen Punkten Jerseys, so z.B. im Hafen von St. Helier sowie nahe den Artilleriestellungen.
Neben vier Marineartilleriestellungen bestechen vor allem die siebzehn anderen Geschützstellungen auf der Insel Jersey. Darunter befindet sich auch die Batterie Moltke, welche vier französische Geschütze vom Kaliber 15cm führte und im Laufe der Kriegsjahre vergeblich auf ein noch durchschlagskräftigeres Stück aus Deutschland wartete. Beeindruckend mag auch die Tatsache erscheinen, dass beispielsweise diese Batterie von Minen, automatischen Flammenwerfern sowie Panzersperren umgeben war und neben dem angeschlossenen Luftabwehrstand wohl auf hohem, militärischem Niveau für die Sicherheit der Batterie sowie deren Mannschaft gesorgt war. Dabei besaßen die größeren Artilleriestellungen nahezu aller angeschlossenen oder in der Nähe befindlichen, bunkerartigen Unterkünfte für Geschützmannschaften, Unteroffiziere, Sanitäter, etc. Auch Munitionsdepots stehen in direkter Verbindung mit den größeren Geschützstellungen wie der Batterie Moltke, so dass die Feuerrate und Effizienz der Großkaliber zumeist gewährleistet war. Einundsechzig sogenannte "Tobruks", Betoneinlassungen in der Erde boten für das Montieren von Panzertürmen Platz und funktionierten so als kleinere Geschütze.

Die großen Artilleriestellungen, die Batterien waren auf höchstem deutschen Standard errichtet worden. Aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs entwickelte die Wehrmacht unter anderem ein ausgeklügeltes System zur Abwehr von Gasangriffen auf eine unterirdische Bunkerstellung. So vermochte die Batterie Moltke sich beispielsweise im Falle eines Gasangriffes vollständig hermetisch von dem Gas abzuriegeln, sich über ein cleveres, revolutionäres Filtersystem über eine Ewigkeit hinweg mit Sauerstoff zu versorgen und damit einen Widerstand aufrechtzuerhalten.

Doch welchen Zweck besaß diese große Anzahl an Befestigungen, Geschützstellungen und Kasematten? Nachdem Frankreich von der Wehrmacht in knapp sechs Wochen erobert worden war, bedrohte das Vereinte Königreich das Festland. Es bestand, nachdem die deutsche Landungs- und Eroberungsoperation auf England, genannt "Seelöwe" nicht stattgefunden hatte und die schrecklichen Bombardements auf London oder Coventry den Willen der Briten nicht zerrüttet hatten, noch immer die Möglichkeit den Deutschen in den Rücken zu fallen, indem eine Landung in Frankreich vollzogen würde. Vor allem die Bindung der Hauptstreitkräfte der Wehrmacht in der Sowjetunion machte den Atlantikwall für Hitler wichtig, gar notwendig - so sollte unter anderem Jersey als Teil dieses Ringes Landungsboote und zusammen mit der sogenannten "Siegfried-Line" auch Fallschirmjägerbataillone davon abhalten, den Strand oder das Festland zu erreichen. Im Falle einer tatsächlichen Landung sollten Versorgungsschiffe mit geladenen Nachschubgütern unter Beschuss genommen, versenkt und den gelandeten, feindlichen Truppen an Land eine logistische Niederlage zugefügt werden.

Tatsächlich aber vermochten die Befestigungen auf Jersey - bis auf einige Konvoi- sowie Flugzeugabschüsse - eine Landung in der Größe der Operation "Overlord" nie und nimmer ernsthaft unter Druck setzen - zum Glück!

Auch Jersey wurde zu einem Teil des Atlantikwalls "auserkoren" und hatte schließlich mehr Befestigungsanlagen pro Quadratkilometer als irgendein anderer Teil des eigentlichen Atlantikwalls.