Frühere Schuljahre
Zwischen Cider und Napoleon
Da Jerseys Handel auf Seewegen und die Fischerei der Insel enorm anstieg, baute man 1669 einen großen Hafen in der St. Aubins Bay, um den Handel (unter anderem mit Wein und Spirituosen)und den Fischfang weiterhin anzukurbeln.
In der Landwirtschaft wurden neue, fortschrittliche Systeme zum Pflügen von Äckern entwickelt, wodurch die Bauern mehr und effizienter Korn anbauen konnten.
Die Hauptquelle des Einkommens der Menschen auf Jersey war aber nach wie vor Cider, der bekannte Apfelwein, den sie in viele Länder Europas exportierten. Einer unter vielen Abnehmern war die britische Navy.
1768 wurde erstmals eine Handelskammer auf den Britischen Inseln eingerichtet. Die Dokumente, die von ihr ausgingen, waren in britischem Englisch gehalten, obwohl auf den Inseln das Jersey French gepflegt wurde.
Im 18. Jahrhundert durchlebte die Bevölkerung zwei Etappen der allgemeinen Unzufriedenheit:
1735 verlor das Geld der Inselbewohner an Wert und das Jahr 1769 wurde durch den Protest gegen die Ungerechtigkeit geprägt. Bauern forderten vom Staat, den Getreidepreis fair festzusetzten.
Unter anderem als eine Folge dieser Unruhen wurden 1771 die Gesetze von Jersey in einem Kodex gesammelt und dem "Privy Council" vorgelegt.
1773 unterstützte Frankreich im Unabhängigkeitskrieg die Amerikaner und kämpfte gegen England. Als Folge dessen versuchte Frankreich zuerst 1779, dann 1781 Jersey zu erobern. In diesem Jahr marschierte Baron de Rullecourt in St. Helier ein, nahm den Lieutenant-Governor Moise Corbet gefangen und überzeugte ihn davon, dass die Franzosen nun die größte Macht seien. Moise Corbet unterschrieb daraufhin eine Anordnung, die seine Truppen dazu aufforderte, die Waffen niederzulegen. Die britischen Offiziere und Truppen wollten dieser Kapitulationsaufforderung aber nicht nachkommen, sondern lieber sterben, als sich geschlagen geben. Unter der Führung von Major Peirson fand die "Battle of Jersey" in St. Helier statt. Beide, Peirson und De Rullecourt kamen an diesem Tag ums Leben, aber England ging als Sieger aus der Schlacht hervor.
In Jersey begann eine Zeit intensiver politischen Aktionen. Zwei Parteien wurden gebildet, zum einen die "Jeannots" (später "Magots"), die Liberalen, die von Sir John Dumaresq angeführt wurden und zum anderen die "Charlots", die eher konservativ eingestellt waren und deren Anführer Charles Lemprière war. Die Rivalität zwischen den zwei Parteien spaltete die Bevölkerung der Insel für ca. 100 Jahre in zwei Hälften und konnte erst aufgehoben werden, als das Parteiensystem 1891 abgeschafft wurde. Seit diesem Zeitpunkt haben Parteien nie wieder eine Rolle in der Politik Jerseys gespielt.
Zu dieser Zeit war vor allem der Methodismus, der von John Wesley schon 1787, als er auf die Insel kam, gepredigt wurde, außerordentlich wichtig und verbreitet. Die Menschen sehnten sich nach Disziplin und Ordnung, die ihnen dieser Glaube scheinbar geben konnte.
Frankreich erklärte England 1793 den Krieg und als Folge der Französischen Revolution kamen sehr viele Priester und adlige Flüchtlinge aus Frankreich auf die Insel. Zum Schutz vor dem feindlichen Angriff wurden auf Jersey Schutzwälle gebaut und bestehende Festungen neu ausgebaut und gesichert. 1806 wurde General Don Lieutenant-Governor. Er begann damit, ein Straßennetz auf der Insel aufzubauen.
Jersey war Napoleon ein Dorn im Auge, er wollte dieses "Nest vernichten". Aufgrund seiner Niederlage in Waterloo im Jahre 1825 war es ihm aber nie möglich, seine Drohungen wahr zu machen. Mit der Niederlage Napoleons nahm auch der Krieg zwischen Frankreich und England ein Ende. Doch auch Jerseys Ansehen als ein Militärischer Außenstützpunkt bestand nicht weiter.
Ebenso waren die Zeiten des fröhlichen Cider-Handels vorbei. Niemand mehr wollte Apfelwein, da Bier im Trend lag. Eine Ära des Handels ging zu Ende.
Die landwirtschaftliche Krise in England und später die große Hungersnot in Irland hatten zu Folge, dass viele Verzweifelte nach Jersey auswanderten. Die Bevölkerungszahl stieg von 1821 bis 1851 um knapp 10 000 auf 37 155 an.
Der Einfluss Englands prägte die Insel, insbesondere die Stadt St. Helier, die stetig vergrößert wurde, und spielte eine große Rolle in der sozialen und politischen Entwicklung der Insel. Auch der englische Baustil wurde zum Teil übernommen. Die Landwirtschaft erlebte einen Aufschwung, Knechte und Mägde aus der Normandie und der Bretagne kamen nach Jersey, um dort auf den Höfen zu arbeiten, und siedelten sich auf der Insel an.
1834 wurde schließlich auch die Währung dem englischen "Lifestyle" angeglichen und Jersey übernahm das englische Pfund Sterling als Zahlungsmittel.
Im Gericht, der Politik und der Kirche benützte man weiterhin die Amtssprache Französisch, die aber in Handel und militärischen Angelegenheiten durch die englische Sprache verdrängt wurde.
Auch der Handel zwischen England und Jersey wurde ausgebaut und 1840 reisten die ersten Touristen aus dem Vereinigten Königreich zur Erholung auf die Kanalinseln.
Das wichtigste Exportgut der Insel wurde die legendäre Jerseykartoffel, die an den steilen Hängen der Küstenbereiche angebaut wurden. Seit dem 19. Jahrhundert stellten auch die "Jersey-Cows" und deren Milch eine der größten Einnahmequellen Jerseys dar.
In den letzten Jahrzehnten kamen immer mehr Einwanderer, besonders aus Portugal und Polen, auf die Insel.