„Geschichten am Rande der Weltpolitik“ Teil 1 (September 2011 – Mai 2012)

Im September 2011 begann die thematische Arbeit. 13 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 trafen sich zusätzlich zum normalen Schulunterricht im Rahmen der Begabungsförderung einmal wöchentlich für die Projektarbeit. Zunächst erläuterte Gisela Rothenhäusler den Schülern die Hintergründe des zweiten Weltkriegs. Danach erarbeiteten die Schüler in drei Präsentationsrunden selbstständig einzelne Teilgebiete, die sie dann der Gruppe präsentierten. Mithilfe des auf diese Weise erarbeiteten Wissens über das Leben zur Zeit des Nationalsozialismus im Allgemeinen und der Ereignisse in Bad Wurzach und Umgebung wurden dann die Zeitzeugengespräche vorbereitet, die ab Januar 2012 stattfanden.
Wie wichtig eine gute Vorbereitung dieser Gespräche ist, hatten wir bereits im Oktober erfahren, als sich zufällig ein Probeinterview mit dem weißrussischen Künstlerehepaar Iwanow ergeben hatte. Erinnerung durch Fragen zu wecken, ist eine Kunst, selbst wenn die Gesprächspartner offen sind. Die nun anstehenden Interviews mit unseren Zeitzeugen waren keine Probe mehr, also saßen wir wieder beisammen und überlegten: Wie beginnt man so ein Gespräch? Was interessiert uns? Was kann die Person aufgrund ihres Alters damals überhaupt wissen? Die meisten unserer Zeitzeugen waren im Krieg ja noch Kinder. Wie reagieren wir, wenn unser Gesprächspartner meint, seine Erinnerung sei nicht wichtig? Fragen über Fragen.
Um etwas Sicherheit bei den Interviewtechniken zu erhalten, interviewte die ganze Gruppe gemeinsam die erste Zeitzeugin, Theresia Krug aus Seibranz. Im Anschluss wurde das Gespräch dann auf deutsch und englisch dokumentiert. Spätestens jetzt war allen Beteiligten klar, dass noch viel Arbeit auf uns wartete.
In den nächsten Wochen interviewten die Schüler in vier Dreier Gruppen die eigenen Zeitzeugen und hielten die Gespräche schriftlich fest. Einen letzten Zeitzeugen, Siegfried Mitter aus Treherz, der als Kind das Sudetenland verlassen musste, wurde nochmals von der ganzen Gruppe befragt. Jetzt hatten wir sechs ausführlich dokumentierte Interviews, anhand derer wir unseren finnischen Partner zeigen konnten, wie die Situation in Wurzach während des zweiten Weltkriegs war.
Damit die Partner auch ein breiteres Bild vom Leben im Nationalsozialismus und der Situation in unserer Region erhielten, arbeiteten die Schüler die Themen aus den vorangegangenen Präsentationsrunden in englische Power Point Präsentationen um. Viele E-Mails wurden verschickt, viele Texte und Präsentationen wurden korrigiert, überarbeitet und nochmals korrigiert. Am Ende war dann alles irgendwie fertig und die finnischen Partner konnten kommen.

Herr und Frau Iwanow (rechts)

Frau Krug aus Seibranz im Gespräch