Unsere ehemalige Schülerin Franziska Zeh (Abitur 2015) hat sich dazu entschieden, nach dem Abitur mit dem Internationalen Freiwilligendienst ein Jahr als „Missionarin auf Zeit“ (MaZ) auf den Philippinen zu verbringen. Das Programm ist vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung anerkannt und gehört zum Freiwilligenprogramm „weltwärts“.

Auf den Philippinen arbeitet Franziska Zeh beim Projekt „Puso sa Puso“ (Herz zu Herz) mit und wird von den Salvatorianern betreut. Mitte Oktober hat sie ihren ersten Rundbrief verschickt.

Liebe Unterstützer,

viereinhalb Wochen auf den Philippinen liegen nun schon hinter mir – Zeit, Euch meine ersten Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen mitzuteilen.

Ankommen und Unterkunft
Nach dem 15-stündigen Flug über Abu-Dabi, wurden wir von den vorigen Freiwilligen vom Flughafen abgeholt und zu unserer Wohnung für das kommende Jahr im Stadtteil Marikina gebracht. Die Wohnung entspricht zwar nicht unbedingt deutschen Standards, hat aber fließend Wasser, Strom und Internetverbindung, womit wir schon sehr zufrieden sein können. Jeder von uns (meine drei Mitfreiwilligen und ich) hat dort ein eigenes, kleines Zimmer und Ventilatoren. Diese sind nun vor Allem am Anfang besonders wichtig. Auch mit Ventilator ist es aufgrund der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit noch schwierig, einzuschlafen; Und momentan ist Regenzeit – also noch die kühlere Jahreszeit in Manila.

Die erste Woche und die Erfahrungen im Slum
Unsere erste Woche bestand vor allem erst einmal darin, unsere zukünftige Umgebung kennen zu lernen, um uns danach selbst ohne Hilfe zurecht finden zu können. So zeigten uns unsere Vorgänger  in den ersten zwei Tagen unsere zukünftigen Arbeitsplätze – die Slums, die Armenviertel Payatas (bei der Mülldeponie) und Parola (am Hafen).
Für uns Freiwillige, die eigentlich an deutsche Verhältnisse gewohnt sind, natürlich eine ziemlich schockierende Erfahrung. Die meisten Häuser der dort lebenden Menschen sind aus einer Mischung von Stein, Holz, Wellblech, Plastik und Pappe zusammengestellt. Doch auch hier lassen sich noch große Unterschiede feststellen: Während man vor allem in Payatas immer wieder einzelne relativ solide Steinhäuser sieht, gibt es beispielsweise im Slum Parola auch kleine Hütten, die auf Holzstelzen ins Wasser gebaut und lediglich mit Plastikfolie ergänzt sind.
Wie sehr es in den Armenviertel immer noch Unterschiede gibt zeigt sich mir vor allem, als unsere Vorgängerin uns einen ihrer letztjährigen Schüler vorstellt. Der kleine, ca. vierjährige Junge, arbeitet auf dem Müllberg mit, wie sie uns erzählt. Von seinen Lerngruppenkameraden wurde er immer wieder wegen seines Geruchs aus dem Müllberg und seiner zerrissener Kleidung ausgelacht und gehänselt. Von Weitem können wir die riesige Mülldeponie sehen, zu der uns allerdings der Zugang verweigert wird.
Trotz all dieser Umstände, erhalten wir einen sehr positiv gestimmten Eindruck der dort lebenden Menschen. Immer wieder wird uns voller Begeisterung „Puso sa Puso“ - der Name unseres Projekts   hinterher gerufen, weil die Leute die Projekt-T-shirts, die wir tragen erkennen. Kinder laufen uns entgegen, wollen mit uns Abklatschen, reden so gut es geht mit uns oder nehmen uns einfach an der Hand und gehen ein Stück unseres Weges mit uns.
Die Leute grüßen uns freundlich und wir werden wegen unseres westlichen Aussehens immer wieder mit Harry Potter, Barbie oder Justin Bieber verglichen. Ein paar Menschen möchten Fotos mit uns machen.

Die Stadt Manila
Während unserer ersten Wochen bekommen wir auch immer mehr von der riesigen Hauptstadt Manila zu sehen. Schon vom Flugzeug aus von oben gesehen wirkt sie beinahe endlos. Als ganzes kann Manila jedoch nicht zutreffend beschrieben werden – es hat so unterschiedliche Gesichter wie Tag und Nacht. Wo wir uns am Vormittag noch durch die engen, stickigen Gassen der Slums schlängeln, können wir nachmittags mit einem (wirklich extrem günstigen Taxi) an Gucci-, Prada- und Michael-Kors-Geschäften vorbei zur „Mega-Mall“ in Manila fahren lassen, einer riesigen, glänzenden Einkaufsmall, deren Anfang und Ende ich einfach nicht überblicken kann. 200 Meter nach einer auf der Straße schlafenden Menschengruppe, führt ein Gate direkt zu einem Edelclub, in dem sich die Oberschicht Manilas tummelt.
Es ist nicht zu glauben, wie solch komplett gegenteilige Welten so nahe nebeneinander exisitieren und sich gegenseitig nicht berühren.
Es wird mir nicht, wie ich erwartet hatte erst nach einem Jahr im Slum zuhause, in unserem vergleichsweise gemütlichen und privilegierten Deutschland gezeigt, wie ungleich und unfair die Güter auf dieser Welt verteilt sind.
Nein, das wird mir hier schon mehr als deutlich vor Augen gehalten.

Tagalog- Sprache und Sprachkurs
In Woche zwei und drei besuchen wir hier einen Tagalog-Sprachkurs, um später eine absolute Grundbasis für die Kommunikation im Slum zu haben. Tagalog unterscheidet sich sehr vom Englischen oder Deutschen und ist für uns in vielen Belangen einfach (noch) unbegreiflich.
Hier werden fröhlich und gefühlt (und manchmal tatsächlich) ohne jede Regel „ang“-s, „nang“-s und „sa“-s in den Satz mit eingebaut, für die es manchmal einfach keine Übersetzung oder Bedeutung gibt.
Meine Lieblingsdialog?; „Babababa?“ - „Bababa!“ (Möchten Sie aussteigen? - Ja,ich möchte aussteigen.)

Im Kindergarten
Die vierte Woche hier verbringen wir mit einem einwöchigen Praktikum in einem (zahlungspflichtigen) Kindergarten ganz bei uns in der Nähe. Wir sollen uns dadurch ein Bild schaffen können, wie einige Kinder auf den Philippinen auf die Elementary-School vorbereitet werden – und diese Vorbereitung setzt sich ganz schön von der deutschen Vorstellung von Kindergarten ab. An unserem ersten Praktikumstag kommen alle Kinder nur stoßweise und für kürzere Zeit in den Kindergarten. Heute wird nämlich ein Test geschrieben. Während ich die 2-6-Jährigen durch ihre Tests begleite, wird mir klar, was für einen großen Nachteil Kinder ohne eine solche Kindergarten-Vorbereitung in der Elementary-School wohl haben müssen. Die meisten Kinder ab vier Jahren hier können schon lesen und schreiben.
Trotz den hohen Anforderungen versuchen die Erzieherinnen (oder „Teachers“, wie man sie hier passenderweise nennt) den Kindern auch ihren Spaß und ihr „Kindsein“ zu ermöglichen. Es wird neben dem Lernen sehr viel getanzt und gespielt. Das „Fliegerlied“ und „Cowboy und Indianer“, das wir mit ihnen tanzen kommt sehr gut an und auch generell sind wir „Teachers from Germany“ ein beliebtes Daranhänge- und Kuschelziel.
Die Leiterin des Kindergartens und die anderen Teachers hier sind uns eine große Hilfe und geben uns viele Ideen für unseren zukünftigen, eigenen Unterricht im Slum mit.

Die nächsten Wochen
Nach der ganzen Vorbereitungs- und Eingewöhnungszeit hat für mich seit Dienstag meine eigentliche Arbeit hier begonnen. Genauere Informationen, wie der Unterricht dort abläuft und wie das komplette „Puso-sa-Puso“-Projekt aussieht, werde ich sobald ich mich richtig eingelebt und mir einen besseren Überblick verschafft habe, in meinem nächsten Rundbrief berichten.

Ihm Anhang finden Sie noch einige Bilder von meinen bisherigen Erlebnissen. Leider kann ich noch keine Bilder aus dem Slum schicken, da es dort zu Beginn mit einer Kamera noch zu gefährlich wäre.

Viele Grüße aus den Philippinen und vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Bei Fragen und Anliegen bitte einfach per Mail bei mir melden.


Franziska Zeh